Der Wind

Peter Hille

1854

Es sank vor ihm das Schiff zu Grund, Als er überbrauste das Meer, Mit dem Feuer schloß er schnell einen Bund, Wie sausten die Flammen einher! Mitinnen der Wüste, der Karawane Verweht er die wankende, wogende Bahn.

Im sonnengoldenen Buchengrün Da hebt er neckisch den Flor, Der reizenden Maid, die Wangen erglühn, - O Wind, was hattest du vor? Die geküßte Lippe, sieh, wie sie schmollt! Der Liebste, ob er dem Winde wohl grollt?

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Illustration zu Der Wind

Interpretation

Das Gedicht "Der Wind" von Peter Hille schildert die vielseitigen und oft zerstörerischen Kräfte des Windes. In der ersten Strophe wird der Wind als gewaltiges Element dargestellt, das Schiffe zum Sinken bringt und Feuer entfacht, das wild um sich greift. Der Wind verweht auch die Pfade der Karawanen in der Wüste, was seine zerstörerische Kraft unterstreicht. In der zweiten Strophe nimmt der Wind eine intimere Rolle ein. Er streichelt neckisch das sonnengoldene Laub der Bäume und die Wangen eines reizenden Mädchens, wodurch diese erröten. Der Wind scheint hier eine romantische oder verführerische Absicht zu haben, was die Frage aufwirft, was er vorhatte. Die geküsste Lippe des Mädchens schmollte daraufhin, was darauf hindeutet, dass der Wind vielleicht zu forsch oder unerwünscht war. Die letzte Frage des Gedichts, ob der Liebste dem Winde grollt, fügt eine weitere Dimension hinzu. Es könnte bedeuten, dass der Liebste eifersüchtig auf die Aufmerksamkeit ist, die der Wind dem Mädchen schenkt, oder dass er wütend ist, weil der Wind die natürliche Ordnung der Dinge stört. Insgesamt wird der Wind als ein mächtiges und unberechenbares Element dargestellt, das sowohl zerstörerisch als auch verführerisch sein kann.

Schlüsselwörter

sank schiff grund überbrauste meer feuer schloß schnell

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Wie sausten die Flammen einher
Bildsprache
Mitinnen der Wüste, der Karawane Verweht er die wankende, wogende Bahn
Frage
O Wind, was hattest du vor?
Metapher
Im sonnengoldenen Buchengrün
Personifikation
Die geküßte Lippe, sieh, wie sie schmollt!