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Der Weise

Von

Von allen Freuden abgeschieden,
Mit Wasser und mit Brod zufrieden,
Lebt dort Arist vergnügt allein.
Und man verleibet ihn den Reihn
Der Weisen unsrer Zeiten ein.

Von ihm bin ich nicht unterschieden.
Ich lebe so wie er zufrieden, – –
Doch nur bey Freuden, Mädchen, Wein:
Warum verleibt man mich den Reihn.

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Gedicht: Der Weise von Christian Felix Weiße

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Der Weise“ von Christian Felix Weiße ist eine kurze, humorvolle Auseinandersetzung mit dem Thema Weisheit und Selbstverständnis. Es präsentiert einen Kontrast zwischen der asketischen Lebensweise eines Weisen, Arist, und der des Ich-Erzählers, der sich selbst als ebenso zufrieden beschreibt, jedoch ein Leben voller Freuden, Mädchen und Wein führt.

Der Text beginnt mit einer Beschreibung des idealen Weisen, der sich von allen Freuden zurückzieht und sich mit einfachem Essen und Trinken begnügt. Dieser Weise, Arist, wird in die Reihe der Weisen eingeordnet, ein Lob, das die Autorität und das Ansehen der Weisheit betont. Der Ich-Erzähler zieht eine Parallele zu diesem Lebensstil, indem er behauptet, ebenfalls zufrieden zu sein. Der Kern der Ironie liegt jedoch in der anschließenden Aussage: Er genießt die Freuden des Lebens, insbesondere Mädchen und Wein.

Die zweite Strophe bringt die Diskrepanz deutlich zum Ausdruck. Die Frage „Warum verleibt man mich den Reihn?“ ist nicht nur rhetorisch, sondern offenbart auch die Ironie und Selbstkritik des Erzählers. Er erkennt, dass sein Lebensstil, der durch Genuss und Vergnügen geprägt ist, sich deutlich von dem des asketischen Weisen unterscheidet. Die Wiederholung des Wortes „zufrieden“ betont die scheinbare Gemeinsamkeit, während die Aufzählung der Freuden des Lebens die tatsächliche Kluft zwischen den beiden Lebensweisen hervorhebt.

Weiße nutzt hier eine leichte, spielerische Sprache, um eine tiefere Frage nach dem Wesen der Weisheit und dem eigenen Platz in der Welt zu stellen. Das Gedicht ist eine spielerische Auseinandersetzung mit dem Ideal des Weisen und der eigenen Neigung zu weltlichen Freuden. Es impliziert, dass wahre Weisheit vielleicht nicht nur in Askese und Abgeschiedenheit liegt, sondern auch in der Fähigkeit, das Leben in all seinen Facetten zu genießen, ohne dabei die eigene Identität zu verlieren oder sich selbst zu verleugnen. Die letzte Zeile deutet an, dass der Erzähler sich seiner Nicht-Zugehörigkeit zu den „Weisen“ bewusst ist und diese Tatsache mit einem Augenzwinkern kommentiert.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

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