Der weise Narr

Franz Alfred Muth

1871

Es zogen Reiter in Schwadronen, Fußsöldner, Schützen mit Kanonen Der Straßen hin voll Lustgeschrei An einem Narrenschalk vorbei. “Was habt ihr doch?” der Narre fragte, ““Frischfröhlich Kriegen!”” jeder sagte; “Was thut man denn im Krieg, ihr Leute?” ““Man sticht, man schießt, gewinnet Beute, Brennt Dörfer nieder; Korn und Wein Mag freilich drob verdorben sein.”” “Und dies warum?” ““Ei für den Frieden, Der endet jeden Krieg hienieden!”” Da lacht der Narr: “Hier nehmt, ihr Leute So Kapp′ wie Kolben gleich als Beute! Macht vorher Frieden, eh′ zum Schaden Der lust′ge Krieg dem Land geraten! Wenn Glut geflossen, Glutenschein Den Himmel rötet, Korn und Wein Verdorben, und ihr selbst gestorben — Heißt das nicht Narrending erworben?”

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Illustration zu Der weise Narr

Interpretation

Das Gedicht "Der weise Narr" von Franz Alfred Muth erzählt von einer Begegnung zwischen einem Narren und einer Gruppe von Soldaten, die zum Krieg ziehen. Der Narr fragt die Soldaten nach ihrem Vorhaben und erfährt, dass sie Krieg führen, um Frieden zu erreichen. Der Narr erkennt die Absurdität dieser Logik und macht den Soldaten einen Vorschlag: Sie sollen Frieden schließen, bevor sie Schaden anrichten. Das Gedicht endet mit einer ironischen Frage, ob der Krieg nicht Narringerei ist, also eine sinnlose und törichte Handlung. Das Gedicht kritisiert die menschliche Neigung, Konflikte durch Gewalt zu lösen, obwohl dies oft zu noch mehr Leid und Zerstörung führt. Der Narr symbolisiert die Stimme der Vernunft und des Friedens, die von den Kriegstreibern ignoriert wird. Das Gedicht zeigt auch die Ironie auf, dass Krieg als Mittel zum Frieden eingesetzt wird, obwohl er selbst das Gegenteil bewirkt. Das Gedicht fordert den Leser auf, über die Sinnlosigkeit von Kriegen nachzudenken und sich für friedliche Lösungen einzusetzen. Das Gedicht hat eine klare Struktur und einen regelmäßigen Rhythmus, der den Lesefluss erleichtert. Die Sprache ist einfach und direkt, aber auch bildhaft und anschaulich. Der Dichter verwendet verschiedene rhetorische Mittel, wie zum Beispiel die Wiederholung von Wörtern oder Phrasen, um die Aussage zu betonen oder zu verstärken. Zum Beispiel wiederholt der Narr das Wort "Gluth" zweimal, um die Hitze und die Röte des Himmels zu verdeutlichen. Der Dichter verwendet auch einen Reim, um das Gedicht harmonisch und einprägsam zu gestalten.

Schlüsselwörter

krieg leute beute korn wein verdorben frieden zogen

Wortwolke

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Stilmittel

Ironie
Der Narr stellt die Sinnlosigkeit des Krieges in Frage, während die Soldaten von ihrem 'lustigen' Krieg schwärmen.
Kontrast
Der Kontrast zwischen dem 'lustigen Krieg' der Soldaten und der Zerstörung, die er bringt, wird durch die Fragen des Narren hervorgehoben.
Metapher
Der 'Narrending' am Ende des Gedichts ist eine Metapher für die Torheit und das Leid, das der Krieg verursacht.
Personifikation
Der Krieg wird als etwas dargestellt, das 'Lustgeschrei' verursacht, was menschliche Eigenschaften anthropomorphisiert.
Rhetorische Frage
Der Narr stellt mehrere rhetorische Fragen, um die Absurdität des Krieges zu unterstreichen, wie 'Und dies warum?' und 'Heißt das nicht Narrending erworben?'.
Wiederholung
Die Phrase 'Korn und Wein' wird wiederholt, um die Zerstörung der Lebensgrundlage zu betonen.