Der Wegweiser

Wilhelm Müller

1824

Was vermeid′ ich denn die Wege, Wo die ander′n Wand′rer gehn, Suche mir versteckte Stege Durch verschneite Felsenhöh′n?

Habe ja doch nichts begangen, Daß ich Menschen sollte scheu′n, - Welch ein törichtes Verlangen Treibt mich in die Wüstenei′n?

Weiser stehen auf den Wegen, Weisen auf die Städte zu, Und ich wand′re sonder Maßen Ohne Ruh′ und suche Ruh′.

Einen Weiser seh′ ich stehen Unverrückt vor meinem Blick; Eine Straße muß ich gehen, Die noch keiner ging zurück.

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Illustration zu Der Wegweiser

Interpretation

Das Gedicht "Der Wegweiser" von Wilhelm Müller beschreibt die innere Zerrissenheit und das Streben nach einem unbekannten Ziel. Der Sprecher fragt sich, warum er einsame Pfade meidet und nach versteckten Wegen durch verschneite Felsengebirge sucht. Obwohl er nichts begangen hat, das ihn Menschen scheu machen sollte, treibt ihn ein "törichtes Verlangen" in die Wüste. Der Sprecher beobachtet die "Weiser" auf den Wegen, die auf die Städte zeigen, während er selbst ohne Maß umherwandert und nach Ruhe sucht. Doch eine bestimmte Wegweisung steht unverrückt vor seinem Blick. Er muss einen Weg gehen, den noch niemand zurückgegangen ist. Das Gedicht vermittelt eine Atmosphäre von Einsamkeit, Sehnsucht und der Suche nach einem unbekannten Ziel. Der Sprecher fühlt sich von einem inneren Drang getrieben, der ihn von den ausgetretenen Pfaden abbringt. Die Wegweiser symbolisieren die konventionellen Lebenswege, denen andere folgen, während der Sprecher seinen eigenen, unbekannten Pfad sucht.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Bildsprache
versteckte Stege, verschneite Felsenhöh′n, Wüstenei′n
Hyperbel
Durch verschneite Felsenhöh′n
Kontrast
Ohne Ruh′ und suche Ruh′
Metapher
Weiser stehen auf den Wegen
Personifikation
Weiser stehen auf den Wegen, Weisen auf die Städte zu
Rhetorische Frage
Was vermeid′ ich denn die Wege, Wo die ander′n Wand′rer gehn
Wiederholung
Ich wand′re sonder Maßen Ohne Ruh′ und suche Ruh′