Der Wassergreis
1883Wasser rauscht so seltsam dort, Kreist sich in Wellen fort, Glaubt wohl! es fühle nicht, Wie sich die Woge bricht, Kalt sei’s im Herzen, kalt in dem Sinn, Rausche nur, rausche nur hin.
Doch in den Wellen, im Abgrund heiß, Sitzt gar ein alternder Greis, Tanzt auf, tanzt ab, wenn der Mond sich zeigt, Wenn Sternlein aus Wolken steigt, Springt gar seltsam und ringt gar sehr, Will trinken das Bächlein leer.
Wellen sind ja die Mörder sein, Zehren und nagen des Alten Gebein, Grinst ihm eisig durch Mark und Glied, Wenn er die Wogen so springen sieht, Schneid’t gar ein bängliches Wehgesicht, Bis Sonnenglanz Mondtanz verbricht.
Wasser rauscht dann so seltsam dort, Kreist sich in Wellen fort, Glaubt’ wohl, es fühle nicht, Wie sich die Woge bricht, Kalt sei’s im Herzen, kalt in dem Sinn, Rausche nur, rausche nur hin.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Wassergreis" von Karl Marx beschreibt die unheimliche Szene eines alten Mannes, der in den Tiefen eines Baches gefangen ist. Die Wellen des Wassers werden als kalt und gleichgültig dargestellt, die ohne Mitgefühl voranschreiten. Der Greis, der in den Wellen sitzt, wird als verzweifelte Figur dargestellt, die im Takt des Mondes und der Sterne tanzt und sich bemüht, den Bach auszutrinken, was auf eine vergebliche Anstrengung hindeutet. Die Wellen selbst werden als Mörder des Alten dargestellt, die an seinem Körper nagen und ihn durch Mark und Glied kalt grinsen lassen. Die Qual des Greises wird durch sein ängstliches Gesicht und seine Reaktion auf den Anblick der tanzenden Wellen verdeutlicht. Die Szene endet mit dem Untergang des Mondtanzes durch das Sonnenlicht, was eine gewisse Erleichterung oder das Ende des Albtraums symbolisieren könnte. Das Gedicht endet mit einer Wiederholung der ersten Strophe, was die ewige und unerbittliche Natur des Wassers und die fortwährende Qual des Greises unterstreicht. Die Kälte des Herzens und des Sinnes des Wassers wird erneut betont, was die Gleichgültigkeit der Natur gegenüber dem menschlichen Leid hervorhebt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Metapher
- Wellen sind ja die Mörder sein
- Personifikation
- Bis Sonnenglanz Mondtanz verbricht