Der Wanderer

Julius Karl Reinhold Sturm

1816

Ein Wanderer schreitet durch die Nacht, Sein Auge sucht die Sterne; Der Heimat hat er still gedacht In weiter, weiter Ferne; Das Herz schlägt ihm so sehnsuchtsbang, Er lauscht, ein fernes Glöcklein klang, Das mahnet ernst zum Beten.

Und vorwärts eilt er, näher schon Hört er die Glocke schlagen, Ihm klingt so heimatlich der Ton Wie in den gold′nen Tagen, Wo er, ein Kind an Mutterhand, Zum Dom gewallt im Festgewand, Zu singen und zu beten.

Und schmerzlich ist sein Herz entbrannt, Er fühlt, was er verloren, Seit er von Gott sich abgewandt Und sich die Welt erkoren. Und wie er seufzt: “Erbarme dich!” Ist ihm, als hört′ er neben sich Die Mutter leise beten.

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Illustration zu Der Wanderer

Interpretation

Das Gedicht "Der Wanderer" von Julius Karl Reinhold Sturm erzählt die Geschichte eines Wanderers, der durch die Nacht zieht und dabei von Heimweh und Sehnsucht ergriffen wird. Der Wanderer blickt zum Himmel und sucht die Sterne, während er an seine Heimat denkt, die weit entfernt ist. Sein Herz schlägt sehnsuchtsvoll, und er hört das Läuten einer fernen Glocke, die ihn ernsthaft zum Gebet mahnt. Während der Wanderer weiter eilt, nähert er sich der Quelle des Glockenklangs. Der Klang der Glocke erinnert ihn an goldene Tage, als er als Kind an der Hand seiner Mutter zum Dom ging, um in festlicher Kleidung zu singen und zu beten. Diese Erinnerungen wecken in ihm ein schmerzliches Verlangen nach der verlorenen Unschuld und dem Glauben seiner Kindheit. Der Wanderer erkennt, dass er sich von Gott abgewandt und sich stattdessen der Welt zugewandt hat. Er seufzt "Erbarme dich!" und fühlt sich, als ob er die leise Stimme seiner Mutter hört, die neben ihm betet. Das Gedicht verdeutlicht die tiefe Sehnsucht des Wanderers nach seiner verlorenen Heimat und seinem früheren Glauben und zeigt, wie diese Sehnsucht durch das Läuten der Glocke und die Erinnerungen an seine Kindheit geweckt wird.

Schlüsselwörter

beten weiter herz hört wanderer schreitet nacht auge

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
schreitet durch die Nacht
Hyperbel
In weiter, weiter Ferne
Metapher
Der Heimat hat er still gedacht In weiter, weiter Ferne
Personifikation
Das Herz schlägt ihm so sehnsuchtsbang
Vergleich
Ihm klingt so heimatlich der Ton Wie in den gold′nen Tagen