Der Wanderer in der Sägemühle

Justinus Kerner

1926

Dort unten in der Mühle Saß ich in guter Ruh Und sah dem Räderspiele Und sah dem Wasser zu.

Sah zu der blanken Säge, Es war mir wie ein Traum, Die bahnte lange Wege In einem Tannenbaum.

Die Tanne war wie lebend, In Trauermelodie, Durch alle Fasern bebend Sang diese Worte sie:

Du trittst zur rechten Stunde, O Wanderer! hier ein, Du bist’s, für den die Wunde Mir dringt ins Herz hinein.

Du bist’s, für den wird werden, Wenn kurz gewandert du, Dies Holz im Schoß der Erden, Ein Schrein zur langen Ruh.

Vier Bretter sah ich fallen, Mir ward ums Herze schwer, Ein Wörtlein wollt’ ich lallen, Da ging das Rad nicht mehr.

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Illustration zu Der Wanderer in der Sägemühle

Interpretation

Das Gedicht "Der Wanderer in der Sägemühle" von Justinus Kerner beschreibt die Erlebnisse eines Wanderers, der in einer Sägemühle sitzt und den Prozess des Baumfällens und Zersägens beobachtet. Die Szene wird als fast traumhaft beschrieben, wobei der Wanderer gebannt auf die blanken Sägeblätter schaut, die sich ihren Weg durch einen Tannenbaum bahnen. Die Tanne selbst scheint dabei zu einem lebendigen Wesen zu werden, das in einer "Trauermelodie" seine Geschichte erzählt. Die Tanne spricht den Wanderer direkt an und deutet an, dass er zur rechten Stunde gekommen ist. Sie offenbart, dass sie für ihn bestimmt ist, und prophezeit, dass das Holz, aus dem sie besteht, nach ihrem Tod zu einem Sarg werden wird. Dieser Sarg wird dem Wanderer als "Schrein zur langen Ruh" dienen, was auf den Tod und das Begräbnis des Wanderers hindeutet. Die Tanne scheint eine Art Vorahnung oder Prophezeiung zu verkörpern, die den Wanderer mit einer düsteren Botschaft konfrontiert. Die Interpretation des Gedichts könnte sich auf die Themen Sterblichkeit, Schicksal und die Vergänglichkeit des Lebens konzentrieren. Die Sägemühle und der Prozess des Holzzuschnitts dienen als Metaphern für den Lebenszyklus und den unausweichlichen Übergang vom Leben zum Tod. Die Tanne, die ihre eigene Zukunft als Sarg vorhersagt, symbolisiert die Akzeptanz des Schicksals und die natürliche Ordnung der Dinge. Der Wanderer, der Zeuge dieser Prophezeiung wird, wird möglicherweise dazu angeregt, über sein eigenes Leben und seinen eigenen Tod nachzudenken. Das plötzliche Stillstehen des Rades am Ende des Gedichts könnte als ein Zeichen für den bevorstehenden Tod des Wanderers interpretiert werden, der das Ende seines Lebensweges symbolisiert.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

Wortwolke zu Der Wanderer in der Sägemühle

Stilmittel

Alliteration
Du trittst zur rechten Stunde
Anspielung
Der Wanderer als Symbol für den Menschen, der seinen Weg geht
Enjambement
Die Bahnte lange Wege / In einem Tannenbaum
Metapher
Die Tanne wurde als lebendig beschrieben und sang 'Trauermelodie'
Personifikation
Die Tanne war wie lebend, In Trauermelodie, Durch alle Fasern bebend
Symbolik
Die Tanne steht symbolisch für Leben und Tod