Der Wärterin
1788Den du weder hast geboren, Noch gesäugt an Mutterbrust, Ihn mit freier Lieb erkoren, Eltern gleich an Schmerz und Lust; Hättest ihn wie wir verloren, Und ersparst uns den Verlust. Ja, er wird zurückbeschworen Von des Todes dunklen Thoren, Wenn zum Guten, das du thust, Thut der gute Gott das Beste! Dann zu seinem Wiegenfeste, Das sein Heimgang wollte werden, Soll, solang’ er geht auf Erden, Er zuerst der Mutter danken, Die ihn einführt’ in die Schranken, Und dann dir, die mit Beschwerden Uns zurück gebar den Kranken.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Wärterin" von Friedrich Rückert handelt von der tiefen Dankbarkeit gegenüber einer Pflegerin, die sich um ein krankes Kind kümmert. Die Wärterin wird mit den Eltern gleichgesetzt, da sie das Kind mit gleicher Liebe und Sorge umgibt, obwohl sie es nicht geboren oder gestillt hat. Der Verlust des Kindes würde ihr ebenso wehtun wie den Eltern, doch sie bewahrt die Eltern vor diesem Schmerz, indem sie das Kind pflegt und am Leben erhält. Das Gedicht betont die selbstlose Hingabe der Wärterin und vergleicht ihre Tat mit einer göttlichen Gnade. Es wird angedeutet, dass das Kind, wenn es gesund wird und heranwächst, zuerst seiner leiblichen Mutter und dann der Wärterin danken wird. Die Wärterin wird als eine Art zweite Mutter dargestellt, die das Kind zurück ins Leben begleitet und den Eltern die Qualen des Verlustes erspart. Die Sprache des Gedichts ist emotional und voller Dankbarkeit. Rückert verwendet Bilder wie die "dunklen Tore des Todes", um die Gefahr zu verdeutlichen, aus der die Wärterin das Kind rettet. Die Wiederholung des Wortes "gut" unterstreicht die positive Wirkung der Pflege. Insgesamt vermittelt das Gedicht eine tiefe Wertschätzung für die oft übersehene Arbeit von Pflegekräften und ihre Bedeutung für das Wohlergehen von Kindern und Familien.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Dann zu seinem Wiegenfeste, Das sein Heimgang wollte werden
- Anapher
- Den du weder hast geboren, Noch gesäugt an Mutterbrust, Ihn mit freier Lieb erkoren, Eltern gleich an Schmerz und Lust
- Metapher
- Von des Todes dunklen Thoren
- Parallelismus
- Den du weder hast geboren, Noch gesäugt an Mutterbrust
- Personifikation
- Thut der gute Gott das Beste