Der wackere Schwabe

Ludwig Uhland

1814

Als Kaiser Rotbart lobesam zum heil′gen Land gezogen kam, da mußt er mit dem frommen Heer durch ein Gebirge wüst und leer. Daselbst erhub sich große Not, viel Steine gab′s und wenig Brot, und mancher deutsche Reitersmann hat dort den Trunk sich abgetan; den Pferden war′s so schwer im Magen, fast mußte der Reiter die Mähre tragen.

Nun war ein Herr aus Schwabenland, von hohem Wuchs und starker Hand, des Rößlein war so krank und schwach, er zog es nur am Zaume nach; er hätt′ es nimmer aufgegeben, und kostet′s ihn das eigne Leben. So blieb er bald ein gutes Stück hinter dem Heereszug zurück; da sprengten plötzlich in die Quer fünfzig türkische Ritter daher.

Die huben an auf ihn zu schießen, nach ihm zu werfen mit den Spießen. Der wackre Schwabe forcht sich nit, ging seines Weges Schritt vor Schritt, ließ sich den Schild mit Pfeilen spicken und tät nur spöttisch um sich blicken, bis einer,dem die Zeit zu lang, auf ihn den krummen Säbel schwang.

Da wallt dem Deutschen auch sein Blut, er trifft des Türken Pferd so gut, er haut ihm ab mit einem Streich die beiden Vorderfüß′ zugleich. Als er das Tier zu Fall gebracht, da faßt er erst sein Schwert mit Macht, er schwingt es auf des Reiters Kopf, haut durch bis auf den Sattelknopf, haut auch den Sattel noch zu Stücken und tief noch in des Pferdes Rücken; zur Rechten sieht man wie zur Linken, einen halben Türken heruntersinken.

Da packt die andern kalter Graus; sie fliehen in alle Welt hinaus, und jedem ist′s, als würd′ ihm mitten durch Kopf und Leib hindurchgeschnitten. Drauf kam des Wegs ′ne Christenschar, die auch zurückgeblieben war; die sahen nun mit gutem Bedacht, was Arbeit unser Held gemacht.

Von denen hat′s der Kaiser vernommen. Der ließ den Schwaben vor sich kommen; er sprach: »Sag an, mein Ritter wert! Wer hat dich solche Streich′ gelehrt?« Der Held bedacht sich nicht zu lang: »Die Streiche sind bei uns im Schwang; sie sind bekannt im ganzen Reiche, man nennt sie halt nur Schwabenstreiche.«

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Illustration zu Der wackere Schwabe

Interpretation

Das Gedicht "Der wackere Schwabe" von Ludwig Uhland erzählt die Geschichte eines mutigen Ritters aus Schwabenland, der auf seiner Pilgerreise zum Heiligen Land auf eine Gruppe türkischer Reiter trifft. Trotz der Überzahl der Feinde und der schwierigen Umstände, unter denen er und sein Pferd leiden, zeigt der Schwabe bemerkenswerten Mut und Geschicklichkeit im Kampf. Er zieht sein krankes Pferd hinter sich her und lässt sich nicht von den Pfeilen und Speeren der Türken einschüchtern, bis einer von ihnen mit dem Säbel auf ihn losgeht. Dann entfesselt der Schwabe seine ganze Kraft und schlägt den türkischen Reiter mit einem einzigen Schlag in Stücke, was die übrigen Türken in die Flucht schlägt. Das Gedicht preist den Mut und die Stärke des schwäbischen Ritters, der sich nicht von der Übermacht seiner Feinde einschüchtern lässt und mit bemerkenswerter Geschicklichkeit und Kraft kämpft. Die "Schwabenstreiche", die er beherrscht, werden als bekanntes und respektiertes Kampfhandwerk im ganzen Reich dargestellt. Der Kaiser selbst ist beeindruckt von der Leistung des Ritters und lädt ihn zu sich, um ihn nach seinen Kampftechniken zu fragen. Der Schwabe antwortet bescheiden, dass diese Streiche bei ihnen im Schwang seien und im ganzen Reich bekannt. Das Gedicht vermittelt auch eine patriotische Botschaft, indem es die Stärke und den Mut der schwäbischen Krieger feiert. Es zeigt, wie ein einzelner mutiger Mann eine ganze Gruppe von Feinden besiegen kann, und wie seine Taten von seinen Mitmenschen bewundert und respektiert werden. Die Geschichte des wackeren Schwaben dient als Beispiel für die Werte von Mut, Geschicklichkeit und Patriotismus, die in der damaligen Zeit geschätzt wurden.

Schlüsselwörter

haut kaiser kam ritter schritt ließ lang schwang

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Des Rößlein war so krank und schwach
Anapher
Er hätt′ es nimmer aufgegeben, und kostet′s ihn das eigne Leben
Bildsprache
Da wallt dem Deutschen auch sein Blut
Hyperbel
Haut auch den Sattel noch zu Stücken
Metapher
Die Streiche sind bei uns im Schwang
Personifikation
Da packt die andern kalter Graus
Simile
Und jedem ist′s, als würd′ ihm mitten durch Kopf und Leib hindurchgeschnitten