Der Vetter

Heinrich Christian Boie

1806

O der verwünschte böse Vetter! Kaum geben mir die guten Götter Den Anblick meiner Sylvia, So ist auch gleich der Vetter da. Zum Unglück mußte der auf Erden Just meiner Schönen Nachbar werden. Von wegen seiner Nachbarschaft Kann man ihn nicht vom Halse treiben, Von wegen seiner Vetterschaft Sieht man ihn jeden Abend bleiben. Nichts bleibt mir übrig als die Nacht - Doch die ist nicht für mich unglücklichen gemacht.

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Illustration zu Der Vetter

Interpretation

Das Gedicht "Der Vetter" von Heinrich Christian Boie handelt von einem unglücklichen Liebhaber, der von seinem Vetter in seinen romantischen Absichten gestört wird. Der Vetter erscheint immer dann, wenn der Erzähler seine Angebetete Sylvia sehen möchte, und verhindert so, dass er allein mit ihr sein kann. Die Anwesenheit des Vetters ist für den Erzähler eine große Belastung, da er durch seine Nachbarschaft und Vetterschaft nicht einfach loszuwerden ist. Der Erzähler fühlt sich durch die Anwesenheit des Vetters in seiner Freiheit eingeschränkt und sehnt sich nach einer Möglichkeit, allein mit Sylvia zu sein. Er beschreibt die Situation als "verwünscht" und "böse", was seine Frustration und seinen Ärger über die Umstände verdeutlicht. Die Tatsache, dass der Vetter jeden Abend bleibt, verstärkt das Gefühl der Hilflosigkeit und des Unglücks des Erzählers. Am Ende des Gedichts bleibt dem Erzähler nur noch die Nacht, um seine Sehnsucht nach Sylvia zu stillen. Doch selbst diese Zeit ist für ihn unglücklich, da er allein ist und sich nach der Gesellschaft seiner Angebeteten sehnt. Das Gedicht endet mit einem Gefühl der Resignation und des unerfüllten Verlangens, das den Leser mit einer melancholischen Stimmung zurücklässt.

Schlüsselwörter

vetter wegen verwünschte böse kaum geben guten götter

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Stilmittel

Alliteration
wenigstens wenigen
Anapher
Von wegen seiner Nachbarschaft / Kann man ihn nicht vom Halse treiben, / Von wegen seiner Vetterschaft / Sieht man ihn jeden Abend bleiben.
Hyperbel
O der verwünschte böse Vetter!
Kontrast
Nichts bleibt mir übrig als die Nacht - / Doch die ist nicht für mich unglücklichen gemacht.
Personifikation
Kaum geben mir die guten Götter / Den Anblick meiner Sylvia