Der verurtheilte Soldat
1744Ein junger, tapferer Soldat Ward wegen einer Uebelthat, Die er in bösem Trunk begangen, Dafür sein Urtheil zu empfangen, Hinausgeführt. Sein braunes Haar, Der großen schwarzen Augen Paar, Sein gut Gesicht, die schöne Länge, Bewegten ringsumher die Menge; Vor Allem ward er, wie man sagt, Vom weiblichen Geschlecht beklagt. Schon kniet er nieder auf den Sand, Und schon war von des Henkers Hand Das scharfe Schwert gezückt, als Halt! Durch den geschloss′nen Kreis erschallt. Ein Mädchen drang zugleich herbei, Und rief mit ängstlichem Geschrei: Pardon! Pardon! Ihr Leute denkt, Man hat sein Leben mir geschenkt. Ich fiel dem Landesherrn zu Füßen, Und ließ so lange Thränen fließen, Bis ich vom Tod ihn losgemacht. Ihm ist Verzeihung zugedacht, Wenn er zur Frau mich nehmen will! Der arme Sünder sah sie still Und voller Ueberlegung an. Was du (sprach er) für mich gethan, Ist dankenswerth. Doch, trügt mich nicht Dein wildes, kupfriges Gesicht, Dein rothes Aug′, dein spitzes Kinn, So bist du eine Teufelin, Die mir zur allerschwersten Bürde Mein elend Leben machen würde! Ein böses Stündchen ist fürwahr Erträglicher, als zwanzig Jahr′ Mit einem Weibe, so wie du, In steter Qual; d′rum haut nur zu!
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Interpretation
Das Gedicht "Der verurteilte Soldat" von Justus Friedrich Wilhelm Zachariae erzählt die Geschichte eines jungen Soldaten, der wegen einer Tat im betrunkenen Zustand zum Tode verurteilt wurde. Die Menge, besonders die Frauen, bedauert den attraktiven und mutigen Mann. Kurz bevor der Henker zuschlagen soll, eilt ein Mädchen herbei und bittet um Gnade. Sie hat beim Landesherrn Tränen vergossen und erreicht, dass dem Soldaten vergeben wird, wenn er sie heiratet. Der Soldat bedankt sich bei dem Mädchen für ihre Bemühungen, lehnt aber ihr Angebot ab. Er beschreibt sie als eine Teufelin mit wildem, kupferfarbenem Gesicht, roten Augen und spitzen Kinn. Er meint, dass ein böses Stündchen, also der Tod, erträglicher sei als zwanzig Jahre Ehe mit einer solchen Frau in ständiger Qual. Er fordert den Henker auf, seine Arbeit zu tun. Das Gedicht kritisiert die Unvernunft und Selbstsucht des Soldaten, der sein Leben nicht schätzt und die selbstlose Tat des Mädchens nicht zu würdigen weiß. Es zeigt auch die Doppelmoral der Gesellschaft, die einen attraktiven Verbrecher bedauert, aber eine unattraktive Frau verachtet. Das Gedicht endet mit einem bitteren Zynismus, der die Hoffnungslosigkeit der menschlichen Existenz verdeutlicht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Schon kniet er nieder auf den Sand
- Bildsprache
- Sein gut Gesicht, die schöne Länge
- Direkte Ansprache
- Was du (sprach er) für mich gethan
- Hyperbel
- Ein böses Stündchen ist fürwahr Erträglicher, als zwanzig Jahr'
- Ironie
- Pardon! Pardon! Ihr Leute denkt, Man hat sein Leben mir geschenkt
- Kontrast
- Sein braunes Haar, Der großen schwarzen Augen Paar
- Metapher
- Ein böses Stündchen ist fürwahr Erträglicher, als zwanzig Jahr' Mit einem Weibe, so wie du, In steter Qual
- Personifikation
- Die mir zur allerschwersten Bürde Mein elend Leben machen würde
- Symbolik
- Das scharfe Schwert
- Vergleich
- Ein böses Stündchen ist fürwahr Erträglicher, als zwanzig Jahr'