Der verschmähte Liebhaber

Kathinka Zitz-Halein

unknown

An den Herrn Feldprediger P…….l

Ein holdes Mägdlein kam gegangen, Die Reue triebs zum Beichtstuhl hin. Entsündigung war das Verlangen Der jugendlichen Büßerin. Die Haare aufgelöst in Locken, Und reuig, wie einst Magdalene, Im Auge hing ihr eine Thräne, So hub sie endlich an mit Stocken:

»Herr Pater, schwer hab’ ich gesündigt, Doch Reu’ zerfleischet nun mein Herz. Wenn euer Mund mir Heil verkündigt, O so wird Lind’rung meinem Schmerz. Hört, einem Jüngling war ich theuer, Erst hab’ ich Liebe ihm gelogen, Und dann sein treues Herz betrogen. Verspottet der Gefühle Feuer.

Der Reue steht mein Herz nun offen, Sagt, wird der Himmel gnädig seyn? O sagt, darf ich Vergebung hoffen, Mich laben an der Hoffnung Schein? O seht, wie meine Thränen rinnen, Ach! rettet meine arme Seele, Auf daß ich mich nicht länger quäle, Doch müßt ihr euch nicht lang besinnen.«

»Mein Kind«, sprach er nach langem Beten, »Der Hölle zwar gehörst Du an, Doch deine Seele will ich retten, Als Christ - und als ein frommer Mann. Umsonst wirst du es nicht begehren. Daß ich die schwarze Seel’ dir wasche, So blank wie eine Pudertasche, Wirst, was ich fordre, gern gewähren.«

»Herr Pater«, hub sie an mit Zagen, »Wie macht ihr mir das Herz so schwer; Der Beichtpfennig, ich muß es sagen, Der ist ja längst nicht Mode mehr. Jedoch ich reich’ euch gern die Spende, Hier habt ihr einen blanken Gulden, Nun sprecht mich frei von meinen Schulden, Macht der Geschichte schnell ein Ende.«

»Das Geld betracht’ ich mit Verachten, Ich leistete der Armuth Schwur, Doch meines Herzens heißes Schmachten, Es sucht zum deinigen die Spur. Laß Götterseligkeit mich trinken, Nur einen Tropfen laß mich nippen, Nur einen Kuß von diesen Lippen, Und dann will ich in Nacht versinken.«

»Ich glaube gar, ihr wollt mich necken, Ja, ja, Herr Pater, ihr seyd fein! Den Kuß begehrt ihr, mich zu schrecken, Scherz oder Ernst; ich sage nein.« »Ich liebe dich, du holdes Wesen, Nur einen Kuß sollst du mir zollen. -« »Könnt euch mit eurer Liebe trollen, Euch hab’ ich mir nicht auserlesen.«

»Ich bin ein schwacher Mensch geblieben, Ich schwöre Lieb’ und Treue dir.« »Herr Pater, euch kann ich nicht lieben, Steckt eure Nase ins Brevier. E pfui, Herr Pater, welche Schande! Auch am Altar habt ihr geschworen - Habt das Gedächtniß ihr verloren? Pfui! Unehr’ macht ihr euerm Stande.«

»Du Satanskind, du Brut der Hölle, Ich glaube gar, du sprichst mir Hohn! Den Kuß giebst du mir auf der Stelle, Sonst keine Absolution.« »Je nun, die mögt ihr nur behalten, Bei euch will ich nicht länger weilen, Zu einem andern will ich eilen, Der sie mir giebt, zum guten Alten.«

Die Schöne floh mit raschen Schritten, Beschämt war der moderne Faun! Die Kränkungen, die er erlitten, Der Ärger färbt’ ihn blau und braun. »Ja, ja, sprach er, doch ohne Zeugen, Fürwahr das Mädchen muß ich ehren, Sie gab mir naseweiße Lehren, Doch giebts nur wen’ge, die ihr gleichen.«

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Illustration zu Der verschmähte Liebhaber

Interpretation

Das Gedicht "Der verschmähte Liebhaber" von Kathinka Zitz-Halein ist eine humorvolle und satirische Erzählung über einen moralisch verkommenen Feldprediger, der seine geistliche Autorität missbraucht, um einer jungen Frau Avancen zu machen. Die Geschichte beginnt mit einer unschuldigen Büßerin, die Reue empfindet und Beichte ablegen möchte. Der Feldprediger nutzt jedoch die Gelegenheit, um die junge Frau sexuell zu belästigen und zu erpressen, indem er ihr die Absolution verweigert, solange sie ihm keinen Kuss gibt. Die junge Frau zeigt sich jedoch als klug und standhaft. Sie weist die unangemessenen Forderungen des Feldpredigers entschieden zurück und verlässt ihn mit Scham und Enttäuschung. Der Feldprediger, der als "moderner Faun" bezeichnet wird, ist beschämt über die Zurückweisung und färbt sich "blau und braun" vor Ärger. Trotz seiner Kränkung erkennt er an, dass das Mädchen ihm eine wertvolle Lektion erteilt hat, indem sie seine unangemessenen Absichten aufdeckte und ihn in die Schranken wies. Das Gedicht kritisiert auf humorvolle Weise den Missbrauch geistlicher Macht und die Heuchelei einiger religiöser Figuren. Es zeigt auch die Stärke und den Mut der jungen Frau, die sich gegen die unangemessenen Forderungen des Feldpredigers wehrt und ihre moralische Integrität bewahrt. Die Erzählung endet mit einer ironischen Note, da der Feldprediger die Lektionen, die ihm das Mädchen erteilt hat, anerkennt, obwohl er selbst derjenige war, der sich unmoralisch verhalten hat.

Schlüsselwörter

herr pater herz will kuß hab liebe macht

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Stilmittel

Alliteration
Pfui! Unehr' macht ihr euerm Stande
Anapher
Herr Pater, schwer hab' ich gesündigt, Doch Reu' zerfleischet nun mein Herz
Hyperbel
Die Kränkungen, die er erlitten, Der Ärger färbt' ihn blau und braun
Ironie
Ja, ja, Herr Pater, ihr seyd fein! Den Kuß begehrt ihr, mich zu schrecken
Kontrast
Als Christ - und als ein frommer Mann
Metapher
Die Haare aufgelöst in Locken
Personifikation
Der Reue steht mein Herz nun offen
Symbolik
Ich leistete der Armuth Schwur
Vergleich
Und reuig, wie einst Magdalene
Wiederholung
Nur einen Tropfen laß mich nippen, Nur einen Kuß von diesen Lippen