Der Verlust des Adels

Adolf Glaßbrenner

1844

Nun, adeliger Schuft, Verbrecher, Der frech betrogen und geraubt, Nun ist′s, den Unsern dich zu nennen, Uns bürgerlichem Pack erlaubt.

Dem Beispiel deiner Ahnen folgend, Traf dich so hartes Mißgeschick! Jetzt nimmt man Räubern ihren Adel - So geht die schöne Zeit zurück!

Nun, Schurke, bist du unser worden, Da Schmach an deinem Namen klebt; Denn wir sind die gebornen Schurken, Von denen Staat und König lebt.

Doch tröste dich und strebe weiter, Verfolge deinen Galgenlauf! Dann, aus der bürgerlichen Sphäre, Zieht man dich wiederum hinauf.

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Interpretation

Das Gedicht "Der Verlust des Adels" von Adolf Glasbrenner behandelt die Ironie des gesellschaftlichen Aufstiegs und Falls. Es zeigt, wie ein adliger Verbrecher durch seine Taten den Adel verliert und zu den Bürgern stößt, die traditionell als "Schurken" bezeichnet werden. Das Gedicht kritisiert die Heuchelei der Gesellschaft, die Verbrechen bei Adligen toleriert, solange sie im Rahmen des Systems bleiben, aber bei einem Fall aus der Gunst des Adels gnadenlos ist. Glasbrenner verwendet eine sarkastische und spöttische Sprache, um die Doppelmoral der Gesellschaft aufzudecken. Er stellt die Bürger als die wahren "Schurken" dar, da sie das Rückgrat des Staates und der Monarchie bilden, aber gleichzeitig als minderwertig angesehen werden. Das Gedicht verdeutlicht die Fluidität der sozialen Klassen und wie schnell man von einer Klasse in die andere fallen oder aufsteigen kann, je nach den Umständen und dem Verhalten. Die abschließenden Zeilen des Gedichts bieten eine gewisse Hoffnung und Ermutigung für den gefallenen Adligen. Sie deuten darauf hin, dass selbst aus der bürgerlichen Sphäre ein Aufstieg möglich ist, solange man weiterhin nach oben strebt und seinen "Galgenlauf" fortsetzt. Dies unterstreicht die Vorstellung, dass soziale Mobilität in beide Richtungen möglich ist und dass der Verlust des Adels nicht unbedingt das Ende der Fahnenstange bedeutet.

Schlüsselwörter

adeliger schuft verbrecher frech betrogen geraubt unsern nennen

Wortwolke

Wortwolke zu Der Verlust des Adels

Stilmittel

Alliteration
geborenen Schurken
Anspielung
Dem Beispiel deiner Ahnen folgend
Hyperbel
Von denen Staat und König lebt
Ironie
Nun, adeliger Schuft, Verbrecher, / Der frech betrogen und geraubt
Kontrast
Nun, Schurke, bist du unser worden, / Da Schmach an deinem Namen klebt
Metapher
aus der bürgerlichen Sphäre
Personifikation
So geht die schöne Zeit zurück