Der Unverbesserliche
1837Ihr habt den Vogel gefangen, Der war so frank und frei, Nun ist ihms Fliegen vergangen, Der Sommer ist lange vorbei.
Es liegen wohl Federn neben Und unter und über mir, Sie können mich alle nicht heben Aus diesem Meer von Papier.
Papier! wie hör ich dich schreien, Da alles die Federn schwenkt In langen, emsigen Reihen - So wird der Staat nun gelenkt.
Mein Fenster am Pulte steht offen, Der Sonnenschein schweift übers Dach, Da wird so uraltes Hoffen Und Wünschen im Herzen wach.
Die lustigen Kameraden, Lerchen, Quellen und Wald, Sie rauschen schon wieder und laden: Geselle, kommst du nicht bald?
Und wie ich durch die Gardinen Hinaussah in keckem Mut, Da hört ich Lachen im Grünen, Ich kannte das Stimmlein recht gut.
Und wie ich hinaustrat zur Schwelle, Da blühten die Bäume schon all Ein Liebchen, so frühlingshelle, Saß drunter beim Vogelschall.
Und eh wir uns beide besannen, Da wiehert′ das Flügelroß - Wir flogen selbander von dannen, Daß es unten die Schreiber verdroß.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Unverbesserliche" von Joseph von Eichendorff handelt von einem Menschen, der sich in einer Welt aus Papier und Bürokratie gefangen fühlt. Die ersten Strophen beschreiben, wie dieser Mensch von den Pflichten und Zwängen des Alltags erdrückt wird und sich nach Freiheit sehnt. Der Vogel, der gefangen wurde, symbolisiert die Sehnsucht nach Freiheit und Unabhängigkeit, die im Alltag oft verloren geht. In der zweiten Strophe wird deutlich, dass der Mensch von der Bürokratie und dem Papierkram überwältigt wird. Die Federn, die ihn nicht heben können, symbolisieren die Unfähigkeit, aus dieser Situation auszubrechen. Der Staat, der durch das Schwenken der Federn gelenkt wird, deutet auf die Macht der Bürokratie und die Ohnmacht des Einzelnen hin. In der dritten Strophe wird die Sehnsucht nach Freiheit und Natur wieder wach. Das Fenster, das zum Pult steht, symbolisiert die Verbindung zur Außenwelt und die Hoffnung auf Veränderung. Die Kameraden, die den Menschen einladen, deuten auf die Freunde und die Natur, die ihn unterstützen und ihm den Weg zurück zur Freiheit zeigen. In der letzten Strophe wird die Sehnsucht nach Freiheit und Natur erfüllt. Der Mensch tritt aus der Bürokratie aus und findet sich in der Natur wieder. Das Liebchen, das im Frühling unter dem Baum sitzt, symbolisiert die Schönheit und die Freude, die in der Natur zu finden sind. Das Flügelross, das wiehert, deutet auf die Kraft und die Freiheit, die in der Natur zu finden sind.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- lustigen Kameraden
- Anapher
- Federn neben Und unter und über mir
- Anspielung
- Das Stimmlein recht gut
- Bildsprache
- Da blühten die Bäume schon all
- Hyperbel
- So wird der Staat nun gelenkt
- Kontrast
- Mein Fenster am Pulte steht offen, Der Sonnenschein schweift übers Dach
- Metapher
- Der Sommer ist lange vorbei
- Personifikation
- Papier! wie hör ich dich schreien
- Symbolik
- Flügelroß