Der Unentschiedene

Heinrich Christian Boie

1744

Einen Zauber in dem Klang Ihrer Stimme hat Filinde, Daß ich immer nur mit Zwang Mich dem süßen Ton entwinde.

Einen Zauber in dem Blick Ihrer Augen hat Agathe, Daß ich über mein Geschick In Besorgnis fast gerathe.

Von den schwestern gleich gerührt, Hab ich keine noch erkoren. Wenn mein Auge die verführt, Hält mich jene bei den Ohren.

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Interpretation

Das Gedicht "Der Unentschiedene" von Heinrich Christian Boie beschreibt die Zerrissenheit des lyrischen Ichs zwischen zwei Schwestern, Filinde und Agathe. Beide Frauen üben eine starke Anziehungskraft auf den Sprecher aus, jedoch auf unterschiedliche Weise. Filinde fasziniert durch ihre Stimme, während Agathe den Sprecher mit ihrem Blick in seinen Bann zieht. Der Sprecher befindet sich in einem Dilemma, da er sich nicht entscheiden kann, welcher der beiden Schwestern er sich hingeben soll. Er fühlt sich von beiden gleich stark angezogen und kann sich nicht für eine von ihnen entscheiden. Die Stimme der einen und der Blick der anderen halten ihn in einem Zustand der Unentschlossenheit gefangen. Das Gedicht endet mit der Aussage, dass der Sprecher noch keine der beiden Schwestern gewählt hat. Wenn er sich von der Stimme der einen verführen lässt, wird er von dem Blick der anderen wieder zurückgehalten. Das Gedicht vermittelt somit das Gefühl der Zerrissenheit und der Unfähigkeit, eine Entscheidung zu treffen.

Schlüsselwörter

zauber klang stimme filinde zwang süßen ton entwinde

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Stilmittel

Alliteration
Daß ich immer nur mit Zwang
Gleichklang
Einen Zauber in dem Blick / Ihrer Augen hat Agathe, / Daß ich über mein Geschick / In Besorgnis fast gerathe.
Kontrast
Wenn mein Auge die verführt, / Hält mich jene bei den Ohren.
Parallelismus
Einen Zauber in dem Klang / Ihrer Stimme hat Filinde, / Daß ich immer nur mit Zwang / Mich dem süßen Ton entwinde.