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Der Undankbare

Von

Mein Damon – – ja, er fliehet mich,
Entreisset meinen Fesseln sich!
Was gleichet meinem Schmerz!
Er glaubt, daß ich ihm grausam bin,
Und trägt sein Herz zu Daphnen hin:
Ach! kennt er doch mein Herz!
Macht ihm mein oft verirrter Blick
Sein mündlich ihm versagtes Glück
Nicht schmachtend offenbar?
O möcht er mir nur untreu seyn,
So rächt ich mich durch Stolz: allein,
Er ist auch undankbar!

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Gedicht: Der Undankbare von Christian Felix Weiße

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Der Undankbare“ von Christian Felix Weiße ist eine tiefgründige Auseinandersetzung mit dem Schmerz der unerwiderten Liebe und dem Verrat, der mit Undankbarkeit einhergeht. Das lyrische Ich, eine Person namens Damon, beklagt den Verlust der Zuneigung einer geliebten Person an eine andere, Daphne. Die Kürze des Gedichts verstärkt die Intensität der Gefühle und die Dringlichkeit der Klage.

Der erste Teil des Gedichts beschreibt die Flucht Damons und seine Entfesselung von den Bindungen, die ihn an das lyrische Ich ketteten. Die Frage „Was gleichet meinem Schmerz!“ unterstreicht die Tiefe der Verletzung. Das lyrische Ich ist davon überzeugt, dass Damon ihn für grausam hält und sein Herz stattdessen Daphne zuwendet. Die rhetorische Frage „Ach! kennt er doch mein Herz!“ zeugt von der Verzweiflung und dem Wunsch nach Verständnis, der für ein liebevolles Wesen spricht, das missverstanden und verlassen wurde. Es suggeriert, dass die wahren Gefühle des lyrischen Ichs für Damon verborgen blieben und dieser sein wahres Empfinden nicht erkennt.

Im zweiten Teil des Gedichts wird die Hoffnung auf eine mögliche Reaktion des lyrischen Ichs thematisiert. Die rhetorische Frage „Macht ihm mein oft verirrter Blick / Sein mündlich ihm versagtes Glück / Nicht schmachtend offenbar?“ deutet darauf hin, dass das lyrische Ich seine Gefühle durch Blicke und möglicherweise indirekte Gesten versucht hat, zu kommunizieren. Der Wunsch, dass Damon untreu sein möge, um die Möglichkeit einer Rache zu bieten, wird im darauffolgenden Satz durch die Feststellung „Er ist auch undankbar!“ jedoch zunichte gemacht. Der Undank, als schwerwiegender angesehen, als die Untreue, ist der eigentliche Stich ins Herz.

Die Sprache ist einfach, aber präzise und drückt die Gefühle des lyrischen Ichs in klarer und direkter Weise aus. Die Reime unterstützen den musikalischen Charakter und verstärken die emotionale Wirkung des Gedichts. Der abschließende Vers „Er ist auch undankbar!“ verdeutlicht das zentrale Thema des Gedichts: die bittere Erfahrung der Undankbarkeit im Kontext einer gescheiterten Liebe. Dieser Satz steht als Fazit und als Inbegriff des Schmerzes, der durch den Verlust der Liebe und die gleichzeitige Erfahrung von Untreue und Undankbarkeit hervorgerufen wird.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.