Der Umkehrende (1)

Joseph von Eichendorff

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Es wandelt was wir schauen, Tag sinkt ins Abendrot, die Lust hat eignes Grauen, und alles hat den Tod.

Ins Leben schleicht das Leiden Sich heimlich wie ein Dieb, wir alle müssen scheiden von allem was uns lieb.

Was gäb‘ es doch auf Erden, wer hielt den Jammer aus, wer möchte geboren werden, hieltst du nicht droben haus!

Du bist′s, der , was wir bauen, mild über uns zerbricht, daß wir den Himmel schauen - darum so klag‘ ich nicht.

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Interpretation

Das Gedicht "Der Umkehrende (1)" von Joseph von Eichendorff thematisiert die Vergänglichkeit des Lebens und die damit verbundenen Leiden. Es beginnt mit der Beobachtung, dass alles, was wir sehen, sich wandelt und schließlich dem Tod geweiht ist. Die Freude hat ihre eigene Furcht, und der Tag sinkt ins Abendrot. Das Leben schleicht sich mit Leiden ein wie ein Dieb, und wir müssen uns von allem, was uns lieb ist, trennen. Das Gedicht fragt, was es auf Erden für einen Sinn hätte und wer den Schmerz ertragen könnte, wenn nicht Gott oben wohnen würde. Die dritte Strophe bringt eine Wende im Gedicht. Der Sprecher erkennt, dass Gott derjenige ist, der sanft über das bricht, was wir aufbauen, damit wir den Himmel sehen können. Daher klagt der Sprecher nicht mehr, sondern findet Trost in der Vorstellung, dass Gott für einen höheren Zweck sorgt. Das Gedicht endet mit der Erkenntnis, dass die Vergänglichkeit des Lebens und die damit verbundenen Leiden einen Sinn haben, weil sie uns auf das Ewige und Göttliche hinweisen.

Schlüsselwörter

schauen wandelt tag sinkt abendrot lust eignes grauen

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Stilmittel

Metapher
Daß wir den Himmel schauen
Personifikation
Leiden schleicht sich heimlich wie ein Dieb
Rhetorische Frage
Was gäb' es doch auf Erden, wer hielte den Jammer aus, wer möchte geboren werden, hieltest du nicht droben haus!
Trotz
Darum so klag' ich nicht