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Der trunkne Dichter lobt den Wein

Von

Mit Ehren, Wein, von dir bemeistert,
Und deinem flüß′gen Feu′r begeistert,
Stimm ich zum Danke, wenn ich kann,
Ein dir geheiligt Loblied an.

Doch wie? in was für kühnen Weisen
Werd′ ich, o Göttertrank, dich preisen?
Dein Ruhm, hör′ ihn summarisch an,
Ist, daß ich ihn nicht singen kann.

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Gedicht: Der trunkne Dichter lobt den Wein von Gotthold Ephraim Lessing

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Der trunkne Dichter lobt den Wein“ von Gotthold Ephraim Lessing ist eine humorvolle Auseinandersetzung mit der Unmöglichkeit, den Wein adäquat zu preisen, wenn man selbst dem Wein verfallen ist. Es ist eine spielerische Selbstironie, die die paradoxe Situation des Dichters, der durch den Wein inspiriert sein sollte, aber gerade wegen dessen Einfluss nicht in der Lage ist, den Wein gebührend zu loben, in den Mittelpunkt stellt.

Das Gedicht beginnt mit einer ehrlichen Anerkennung des Weins und seiner Wirkung. Der Dichter erklärt, durch den Wein „bemeistert“ und „begeistert“ zu sein, und versucht, ein „dir geheiligt Loblied“ anzustimmen. Die ersten vier Verse etablieren die Absicht, den Wein zu ehren und die Dankbarkeit des Dichters auszudrücken. Dies deutet auf eine traditionelle Lobpreisung hin, die jedoch durch die nachfolgenden Verse konterkariert wird.

Der Kern des Gedichts offenbart sich in der zweiten Strophe, in der der Dichter erkennt, dass er aufgrund seiner Trunkenheit nicht in der Lage ist, dem Wein gerecht zu werden. Die Frage „Doch wie? in was für kühnen Weisen / Werd′ ich, o Göttertrank, dich preisen?“ zeigt die Ambivalenz und die Schwierigkeit des Unterfangens. Das Paradox wird in der letzten Zeile der zweiten Strophe aufgelöst: „Dein Ruhm, hör′ ihn summarisch an, / Ist, daß ich ihn nicht singen kann.“ Der Wein ist so erhaben, dass er von einem Betrunkenen nicht angemessen gewürdigt werden kann.

Die Sprache des Gedichts ist einfach und direkt, was den humorvollen Charakter unterstreicht. Lessing nutzt klare Worte und einen leichten Reim, um die Situation zu schildern. Der Kontrast zwischen der ehrlichen Absicht des Dichters und seiner Unfähigkeit, diese umzusetzen, erzeugt einen komischen Effekt. Das Gedicht ist ein treffendes Beispiel für Lessings Fähigkeit, durch Selbstironie und spielerische Sprache sowohl die Wirkung des Weins als auch die Grenzen des menschlichen Vermögens auf humorvolle Weise darzustellen.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.