Der treue Gefährte

Anastasius Grün

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Im Aether jauchzt ein Lerchenchor, Da hält er zugepreßt sein Ohr; Süß duftet dort das Rosengesträuch, Da wird er schwindlig und todtenbleich.

Und als wir stiegen den Berg hinan, Verlor den Athem der arme Mann; Ich wallt’ empor mit leuchtendem Blick, Doch er blieb keuchend unten zurück.

Ich aber stand jauchzend ganz allein Am Bergesgipfel im Sonnenschein! Rings grüne Triften und Blumenduft! Rings wirbelnde Lerchen und Bergesluft!

Und als ich wieder zu Thal gewallt, Da stieß ich auf eine Leiche bald: O weh, er ist’s! Todt liegt er hier, Der einst der treu’ste Gefährte mir!

Da ließ ich graben ein tiefes Grab Und senkte die Leiche still hinab, Drauf setzt’ ich einen Leichenstein Und grub die Wort’ als Inschrift drein:

»Hier ruht mein treu’ster Genoß im Land, Herr Hypochonder zubenannt; Er starb an frischer Bergesluft, An Lerchenschlag und Rosenduft!

Sonst wünsch’ ich ihm alles Glück und Heil, Die ewige Ruh’ werd’ ihm zu Theil, Nur wahr’ mich Gott vor’m Wiedersehn Und seinem fröhlichen Auferstehn!«

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Illustration zu Der treue Gefährte

Interpretation

Das Gedicht "Der treue Gefährte" von Anastasius Grün beschreibt die Reise zweier Begleiter einen Berg hinauf. Der Erzähler ist voller Lebensfreude und genießt die Schönheit der Natur, während sein Begleiter, ein Hypochonder, von den Reizen der Umgebung überwältigt und krank wird. Die unterschiedlichen Reaktionen der beiden auf die Natur unterstreichen die kontrastierenden Charaktere. Der Erzähler erreicht den Gipfel und jubelt über die Aussicht und die frische Bergluft. Er ist allein und glücklich, während sein Begleiter zurückbleibt. Bei seiner Rückkehr findet er den Tod seines Gefährten, der an den Strapazen der Wanderung und der frischen Luft gestorben ist. Die Ironie liegt darin, dass die Natur, die dem Erzähler so viel Freude bereitet, für den Hypochonder tödlich war. Der Erzähler begräbt seinen Gefährten und setzt einen Grabstein mit einer ironischen Inschrift. Er wünscht ihm ewige Ruhe, fürchtet aber gleichzeitig sein Wiedersehen und seine Auferstehung. Die Inschrift fasst die Ironie des Gedichts zusammen, da sie den Tod des Hypochonders als Folge der Naturfreuden beschreibt, die der Erzähler so sehr genießt. Das Gedicht kritisiert auf humorvolle Weise die übertriebene Gesundheitsbesorgnis und die Unfähigkeit, die einfachen Freuden des Lebens zu genießen.

Schlüsselwörter

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Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
Rings grüne Triften und Blumenduft! Rings wirbelnde Lerchen und Bergesluft!
Hyperbel
Da wird er schwindlig und todtenbleich
Ironie
Er starb an frischer Bergesluft, An Lerchenschlag und Rosenduft
Kontrast
Ich wallt’ empor mit leuchtendem Blick, Doch er blieb keuchend unten zurück
Metapher
Süß duftet dort das Rosengesträuch
Personifikation
Im Aether jauchzt ein Lerchenchor