Der traurige Lukas
1758Als Lukas bey der Flasche saß, Da weint er laut bey jedem Glaß, Das er sich eingeschenkt: Sein Nachbar sah ihm lange zu, Und rief zuletzt: was weinest du? Mein, sag mir, Lukas, was dich kränkt?
Die Flasche, seufzt er, kränket mich! Trink ich einmal, wie grämt sie sich! Wie schrecklich nimmt sie ab! Ach ja, rief Stax, itzt seh ichs ein! Und half dem armen Lukas schreyn, Wenn dieser ihm zu trinken gab.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Der traurige Lukas" von Christian Felix Weiße handelt von einem Mann namens Lukas, der beim Trinken aus einer Flasche weint. Sein Nachbar beobachtet dies und fragt ihn schließlich, warum er weint. Lukas antwortet, dass die Flasche ihn kränkt, weil sie immer weniger wird, je mehr er trinkt. Der Nachbar, Stax, versteht Lukas' Kummer und hilft ihm, noch mehr zu trinken, damit die Flasche weiter abnimmt. Das Gedicht ist eine satirische Darstellung der Trunksucht und der Ausreden, die Menschen sich selbst und anderen gegenüber erfinden, um ihr Verhalten zu rechtfertigen. Lukas' Behauptung, dass die Flasche ihn kränkt, ist absurd, da er selbst derjenige ist, der trinkt und die Flasche leert. Der Nachbar, der Lukas beim Weinen zusieht und ihm dann noch mehr zu trinken gibt, wird als ebenso verantwortungslos dargestellt wie Lukas selbst. Die humorvolle und ironische Stimmung des Gedichts wird durch den Reim und den Rhythmus verstärkt. Die kurzen, prägnanten Zeilen und die einfache Sprache machen das Gedicht leicht verständlich und unterhaltsam. Gleichzeitig regt es den Leser dazu an, über die Themen Alkoholismus und Selbsttäuschung nachzudenken.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Was weinest du?
- Hyperbel
- Wie schrecklich nimmt sie ab!
- Ironie
- Und half dem armen Lukas schreyn, Wenn dieser ihm zu trinken gab.
- Metapher
- Bey der Flasche saß
- Personifikation
- Die Flasche, seufzt er, kränkt mich!
- Wiederholung
- bey jedem Glaß