Der Tote
1928Aus schwarzem Sarge starrt, Von Morgengrau erhellt, Ein Toter bleich und ernsthaft In die verlassne Welt.
Ein müdes Schluchzen irrt Umher im Beigemach; Im starren Totenantlitz Wird keine Rührung wach.
In Wonne bricht der Morgen Herein mit rother Glut, Begrüßt von Vogelzwitschern; – Tief ernst der Tote ruht.
Er starrt empor und grübelt, Wie es nur möglich war, Daß er von Lust und Leide Gebebt so manches Jahr.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Tote" von Bruno Wille beschreibt die Begegnung eines Verstorbenen mit der lebendigen Welt nach seinem Tod. Der Tote blickt aus seinem Sarg auf die verlassene Welt, seine bleiche und ernste Miene bleibt ungerührt von den umherirrenden Schluchzern der Trauernden. Die Morgendämmerung bricht herein, erfüllt von Wonne und roter Glut, begrüßt von Vogelgesang, während der Tote tief ernst ruht. Der Tote starrt nach oben und grübelt darüber nach, wie es möglich war, dass er in seinem Leben so oft von Lust und Leid erzittert hat. Der Kontrast zwischen der lebendigen, freudigen Welt und der ernsten Ruhe des Toten wird betont. Die Natur erwacht zu neuem Leben, während der Tote in seiner ewigen Ruhe verharrt und über die Vergänglichkeit des Lebens nachsinnt. Das Gedicht thematisiert die Endgültigkeit des Todes und die Frage nach dem Sinn des Lebens angesichts der Sterblichkeit. Der Tote blickt auf eine Welt, die ohne ihn weiterbesteht, und reflektiert über die Höhen und Tiefen, die er während seines Lebens erlebt hat. Bruno Wille vermittelt eine nachdenkliche Stimmung und regt den Leser dazu an, über die eigene Existenz und die Vergänglichkeit des Lebens nachzudenken.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Von Morgengrau erhellt
- Bildsprache
- Begrüßt von Vogelzwitschern
- Kontrast
- In Wonne bricht der Morgen / Herein mit rother Glut
- Metapher
- Aus schwarzem Sarge starrt
- Personifikation
- Ein müdes Schluchzen irrt