Der törichte Jäger
1853Er zog hinaus, das Glück zu fangen, und jagte mit erhitzten Wangen bis in den späten Abendschein. Umsonst, es war ein schlimmes Jagen, er kehrte müde und zerschlagen in seine warme Hütte ein.
Da saß in schlichtem Werkelkleide, dem wilden Jäger schier zuleide, am Herde eine stille Magd. Sie reichte ihm den Trunk, den Bissen und ging zu Hand ihm, dienstbeflissen, wie es dem müden Mann behagt.
Sie hatte still sich eingefunden und ungefragt, vor Jahr und Stunden, und ihre Treue nahm er hin. Heut saß sie blaß zu seinen Füßen; er ließ sie seinen Unmut büßen, das flücht’ge Wild lag ihm im Sinn.
“Und muß ich mich zu Tode hetzen, es soll mein heißes Herz ergetzen,” rief er und rief sein letztes Wort und kehrte grollend ihr den Rücken und setzte über Traumesbrücken die Jagd nach seinem Wilde fort.
Am Morgen, eh’ die Vögel girrten, erwacht’ er. Seine Blicke irrten schlaftrunken über Bett und Wand und hin zum Herd. Da stand im Scheine des Feuers, bleich am weißen Steine, die Magd, ihr Bündel in der Hand.
“Wohin? Was treibt dich?” - “Laß mich wandern, mein Dienst gehört jetzt einem andern, leb wohl, ich kehre nicht zurück.” Schon stand sie draußen an der Pforte, er hört nur noch die Abschiedsworte: “Vergiß mich nicht, ich war das Glück.”
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Interpretation
Das Gedicht "Der törichte Jäger" von Gustav Falke erzählt die Geschichte eines Jägers, der das Glück zu fangen versucht, jedoch vergeblich jagt. Er kehrt erschöpft und enttäuscht in seine Hütte zurück, wo ihn eine stille Magd erwartet. Diese Magd, die bereits seit längerer Zeit bei ihm ist, bietet ihm Trost und Fürsorge an, doch der Jäger ist zu sehr mit seinem Frust über die gescheiterte Jagd beschäftigt. Die Magd, die still und treu an seiner Seite geblieben ist, wird vom Jäger vernachlässigt und für seinen Unmut verantwortlich gemacht. Er beschließt, seine Jagd nach dem flüchtigen Wild fortzusetzen und verlässt die Hütte. Am nächsten Morgen erwacht er und entdeckt die Magd am Herd, bereit zu gehen. Sie erklärt ihm, dass ihr Dienst nun einem anderen gehört und sie nicht zurückkehren wird. Mit den Abschiedsworten "Vergiß mich nicht, ich war das Glück" verlässt sie ihn. Das Gedicht verdeutlicht die Torheit des Jägers, der das Glück im Äußeren sucht und dabei das wahre Glück, das ihm direkt vor Augen stand, übersieht. Die Magd symbolisiert das Glück, das geduldig und treu an seiner Seite war, aber vom Jäger nicht erkannt wurde. Am Ende erkennt er zu spät, dass er das Glück, das er so verzweifelt suchte, bereits besaß, aber durch seine Unachtsamkeit verloren hat.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- schlich sich eingefunden
- Anspielung
- Jagd nach seinem Wilden
- Bildlichkeit
- blass zu seinen Füßen
- Hyperbel
- muss ich mich zu Tode hetzen
- Ironie
- Vergiß mich nicht, ich war das Glück
- Kontrast
- schlich sich eingefunden / ungefragt
- Metapher
- Er zog hinaus, das Glück zu fangen
- Personifikation
- es war ein schlimmes Jagen
- Symbolik
- Traumesbrücken
- Vorahnung
- seine Blicke irrten schlaftrunken über Bett und Wand
- Wiederholung
- rief er und rief sein letztes Wort