Der Tod des Dichters

Rainer Maria Rilke

1875

Er lag. Sein aufgestelltes Antlitz war bleich und verweigernd in den steilen Kissen, seitdem die Welt und dieses von ihr Wissen, von seinen Sinnen abgerissen, zurückfiel an das teilnahmslose Jahr.

Die, so ihn leben sahen, wußten nicht, wie sehr er eines war mit allem diesen, denn dieses: diese Tiefen, diese Wiesen und diese Wasser waren sein Gesicht.

O sein Gesicht war diese ganze Weite, die jtzt noch zu ihm will und um ihn wirbt; und seine Maske, die nun bang verstirbt, ist zart und offen wie die Innenseite von einer Frucht, die an der Luft verdirbt.

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Illustration zu Der Tod des Dichters

Interpretation

Das Gedicht "Der Tod des Dichters" von Rainer Maria Rilke handelt von der letzten Stunde eines Dichters, der in seinem Leben die Welt als Teil seiner selbst erlebt hat. Das aufgestellte Antlitz des Dichters ist bleich und verweigert sich den steilen Kissen, seitdem die Welt und ihr Wissen von seinen Sinnen gerissen wurden und an das gleichgültige Jahr zurückfallen. Die Menschen, die ihn leben sahen, wussten nicht, wie sehr er mit allem verbunden war, denn die Tiefen, Wiesen und Gewässer waren sein Gesicht. Sein Gesicht war die ganze Weite, die jetzt noch zu ihm will und um ihn wirbt. Seine Maske, die nun ängstlich vergeht, ist zart und offen wie die Innenseite einer Frucht, die an der Luft verdirbt. Das Gedicht beschreibt den Tod als einen Prozess der Rückkehr zur Natur und zur Einheit mit der Welt. Der Dichter hat in seinem Leben die Welt als Teil seiner selbst erfahren und ist nun in seinem Sterben wieder eins mit ihr. Die Maske, die er in seinem Leben getragen hat, fällt ab und gibt den Blick auf sein wahres Gesicht frei, das nun verletzlich und vergänglich ist wie eine Frucht, die der Luft ausgesetzt ist. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Verbundenheit des Dichters mit der Natur und eine Akzeptanz des Todes als natürlichen Teil des Lebens. Die Sprache des Gedichts ist bildhaft und metaphorisch. Die steilen Kissen symbolisieren die Anstrengung des Dichters, sich gegen den Tod zu stemmen, während die Rückkehr an das teilnahmslose Jahr die Endgültigkeit des Todes unterstreicht. Die Metapher des Gesichts als Weite verdeutlicht die tiefe Verbundenheit des Dichters mit der Welt, während die Maske als Frucht, die an der Luft verdirbt, die Vergänglichkeit des Lebens und die Verletzlichkeit des Sterbenden symbolisiert. Das Gedicht ist eine Meditation über den Tod und die Einheit des Menschen mit der Natur.

Schlüsselwörter

gesicht lag aufgestelltes antlitz bleich verweigernd steilen kissen

Wortwolke

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Stilmittel

Metapher
O sein Gesicht war diese ganze Weite
Personifikation
die Welt und dieses von ihr Wissen, von seinen Sinnen abgerissen, zurückfiel an das teilnahmslose Jahr
Vergleich
seine Maske, die nun bang verstirbt, ist zart und offen wie die Innenseite von einer Frucht, die an der Luft verdirbt