Der Tod der Geliebten
1908Er wußte nur vom Tod was alle wissen: daß er uns nimmt und in das Stumme stößt. Als aber sie, nicht von ihm fortgerissen, nein, leis aus seinen Augen ausgelöst,
hinüberglitt zu unbekannten Schatten, und als er fühlte, daß sie drüben nun wie einen Mond ihr Mädchenlächeln hatten und ihre Weise wohlzutun:
da wurden ihm die Toten so bekannt, als wäre er durch sie mit einem jeden ganz nah verwandt; er ließ die andern reden
und glaubte nicht und nannte jedes Land das gutgelegne, das immersüße - Und tastete es ab für ihre Füße.
Anhören
Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Interpretation
Das Gedicht "Der Tod der Geliebten" von Rainer Maria Rilke handelt von der tiefen und transformativen Erfahrung des Verlustes einer geliebten Person. Der Sprecher beginnt mit einem allgemeinen Verständnis des Todes, das allen gemein ist: der Tod nimmt uns und stößt uns in die Stille. Doch als die Geliebte sanft und fast zärtlich aus seinen Augen gelöst und zu den unbekannten Schatten hinübergleitet, verändert sich seine Wahrnehmung. Er fühlt, dass sie auf der anderen Seite ein Lächeln und eine Weise des Wohlwollens bewahrt, ähnlich wie der Mond sein Licht behält. Diese Erfahrung macht die Toten für ihn vertraut und nahe, als wären sie alle mit ihm verwandt. Er hört auf, den anderen zu glauben und bezeichnet jedes Land als gut gelegen und immer süß. Er tastet diese Länder für ihre Füße ab, als ob er sie auf eine Reise vorbereitet. Das Gedicht vermittelt eine tiefe Verbundenheit mit den Verstorbenen und eine neue, persönliche Perspektive auf den Tod, die über das allgemeine Verständnis hinausgeht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- als wäre er durch sie mit einem jeden ganz nah verwandt
- Metapher
- tastete es ab für ihre Füße
- Personifikation
- daß er uns nimmt
- Symbolik
- Mond