Der Tod
1729Gestern, Brüder, könnt ihrs glauben? Gestern bei dem Saft der Trauben, (Bildet euch mein Schrecken ein!) Kam der Tod zu mir herein.
Drohend schwang er seine Hippe, Drohend sprach das Furchtgerippe: Fort, du teurer Bacchusknecht! Fort, du hast genug gezecht!
Lieber Tod, sprach ich mit Tränen, Solltest du nach mir dich sehnen? Sieh, da stehet Wein für dich! Lieber Tod verschone mich!
Lächelnd greift er nach dem Glase; Lächelnd macht ers auf der Base, Auf der Pest, Gesundheit leer; Lächelnd setzt ers wieder her.
Fröhlich glaub′ ich mich befreiet, Als er schnell sein Drohn erneuet. Narre, für dein Gläschen Wein Denkst du, spricht er, los zu sein?
Tod, bat ich, ich möcht′ auf Erden Gern ein Mediziner werden. Laß mich: ich verspreche dir Meine Kranken halb dafür.
Gut, wenn das ist, magst du leben: Ruft er. Nur sei mir ergeben. Lebe, bis du satt geküßt, Und des Trinkens müde bist.
O! wie schön klingt dies den Ohren! Tod, du hast mich neu geboren. Dieses Glas voll Rebensaft, Tod, auf gute Brüderschaft!
Ewig muß ich also leben, Ewig! denn, beim Gott der Reben! Ewig soll mich Lieb′ und Wein, Ewig Wein und Lieb′ erfreun!
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Interpretation
Das Gedicht "Der Tod" von Gotthold Ephraim Lessing beschreibt eine Begegnung des lyrischen Ichs mit dem personifizierten Tod, der ihm das Trinken verbieten will. Das Ich versucht, den Tod durch Wein zu besänftigen und ihm sogar ein Glas anzubieten, doch der Tod lehnt ab und erneuert seine Drohung. Das Ich bietet dem Tod daraufhin an, Mediziner zu werden und ihm die Hälfte seiner Patienten zu überlassen, was der Tod annimmt. Das Ich ist darüber so erfreut, dass es auf ewige Brüderschaft mit dem Tod anstößt und sich über die Aussicht freut, ewig leben zu können, solange es Wein und Liebe genießt. Das Gedicht thematisiert die menschliche Angst vor dem Tod und den Wunsch, dem Tod zu entkommen oder ihn zumindest aufzuschieben. Das Ich versucht, den Tod durch verschiedene Mittel zu besänftigen oder zu bestechen, doch der Tod bleibt unnachgiebig und erinnert das Ich daran, dass er unausweichlich ist. Das Angebot, Mediziner zu werden und dem Tod Patienten zu überlassen, zeigt die Bereitschaft des Ichs, andere für sich selbst zu opfern, um dem Tod zu entgehen. Das Gedicht endet jedoch mit einer optimistischen Note, da das Ich sich über die Aussicht freut, ewig leben zu können, solange es Wein und Liebe genießt. Das Gedicht kann auch als eine Kritik an der menschlichen Neigung interpretiert werden, sich dem Tod durch Genuss und Vergnügen zu entziehen. Das Ich versucht, den Tod durch Wein und Liebe zu besänftigen, doch der Tod bleibt unbeeindruckt und erinnert das Ich daran, dass er unausweichlich ist. Das Angebot, Mediziner zu werden und dem Tod Patienten zu überlassen, zeigt die Bereitschaft des Ichs, andere für sich selbst zu opfern, um dem Tod zu entgehen. Das Gedicht endet jedoch mit einer optimistischen Note, da das Ich sich über die Aussicht freut, ewig leben zu können, solange es Wein und Liebe genießt.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Lieber Tod, sprach ich mit Tränen
- Hyperbel
- Ewig Wein und Lieb′ erfreun
- Metapher
- Ich möcht′ auf Erden ein Mediziner werden
- Personifikation
- Laß mich: ich verspreche dir