Der Tanz
1805Siehe wie schwebenden Schritts im Wellenschwung sich die Paare Drehen, den Boden berührt kaum der geflügelte Fuß. Seh ich flüchtige Schatten, befreit von der Schwere des Leibes? Schlingen im Mondlicht dort Elfen den luftigen Reihn? Wie, vom Zephyr gewiegt, der leichte Rauch in die Luft fließt, Wie sich leise der Kahn schaukelt auf silberner Flut, Hüpft der gelehrige Fuß auf des Takts melodischer Woge, Säuselndes Saitengetön hebt den ätherischen Leib. Jetzt, als wollt es mit Macht durchreißen die Kette des Tanzes, Schwingt sich ein mutiges Paar dort in den dichtesten Reihn. Schnell vor ihm her entsteht ihm die Bahn, die hinter ihm schwindet, Wie durch magische Hand öffnet und schließt sich der Weg. Sieh! Jetzt schwand es dem Blick, in wildem Gewirr durcheinander Stürzt der zierliche Bau dieser beweglichen Welt. Nein, dort schwebt es frohlockend herauf, der Knoten entwirrt sich, Nur mit verändertem Reiz stellet die Regel sich her. Ewig zerstört, es erzeugt sich ewig die drehende Schöpfung, Und ein stilles Gesetz lenkt der Verwandlungen Spiel. Sprich wie geschiehts, daß rastlos erneut die Bildungen schwanken, Und die Ruhe besteht in der bewegten Gestalt? Jeder ein Herrscher, frei, nur dem eigenen Herzen gehorchet, Und im eilenden Lauf findet die einzige Bahn? Willst du es wissen? Es ist des Wohllauts mächtige Gottheit, Die zum geselligen Tanz ordnet den tobenden Sprung, Die, der Nemesis gleich, an des Rhythmus goldenem Zügel Lenkt die brausende Lust und die verwilderte zähmt. Und dir rauschen umsonst die Harmonieen des Weltalls, Dich ergreift nicht der Strom dieses erhabnen Gesangs, Nicht der begeisternde Takt, den alle Wesen dir schlagen, Nicht der wirbelnde Tanz, der durch den ewigen Raum Leuchtende Sonnen schwingt in kühn gewundenen Bahnen? Das du im Spiele doch ehrst, fliehst du im Handeln, das Maß.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Tanz" von Friedrich von Schiller ist eine lyrische Beschreibung des Tanzes als Metapher für das Leben und die Ordnung im Universum. Schiller verwendet den Tanz als Symbol für die Schönheit, die Freiheit und die Harmonie, die in der Natur und im menschlichen Leben existieren. Im ersten Teil des Gedichts beschreibt Schiller die Anmut und Leichtigkeit des Tanzes, die er mit dem Flug der Vögel oder dem Fließen des Wassers vergleicht. Er betont die Freiheit und Unbeschwertheit der Tänzer, die sich scheinbar mühelos durch den Raum bewegen. Der Tanz wird als eine Art magischer Akt dargestellt, der die Gesetze der Schwerkraft und der Logik zu durchbrechen scheint. Im zweiten Teil des Gedichts geht Schiller auf die Ordnung und Struktur des Tanzes ein. Er betont, dass der Tanz, obwohl er chaotisch und unvorhersehbar erscheinen mag, in Wirklichkeit von einem "stillen Gesetz" gelenkt wird. Dieses Gesetz sorgt dafür, dass der Tanz immer wieder neu entsteht und sich verändert, aber nie völlig aus dem Ruder läuft. Schiller vergleicht dies mit der Ordnung im Universum, die von unsichtbaren Gesetzen bestimmt wird. Im dritten Teil des Gedichts fordert Schiller den Leser auf, die Harmonie und Schönheit des Tanzes zu erkennen und zu schätzen. Er betont, dass der Tanz eine Metapher für das Leben ist und dass wir, wenn wir die Ordnung und Schönheit im Tanz erkennen können, auch die Ordnung und Schönheit im Leben erkennen können. Schiller schließt mit der Aufforderung, das Maß und die Harmonie im Leben zu achten und zu bewahren.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- Schnell vor ihm her entsteht ihm die Bahn, die hinter ihm schwindet
- Hyperbel
- Jetzt, als wollt es mit Macht durchreißen die Kette des Tanzes
- Metapher
- Das Maß als Prinzip der Harmonie und Ordnung
- Personifikation
- Siehe wie schwebenden Schritts im Wellenschwung sich die Paare Drehen
- Vergleich
- Wie, vom Zephyr gewiegt, der leichte Rauch in die Luft fließt