Der Subalterne

Theodor Fontane

1898

»Immer Achselzucken (es ist zum Lachen), Und doch sind wir es, die es machen.

Das Bißchen Deutschland zusammenzuschweißen, Das lag in der Zeit, das will nicht viel heißen - Und Sedan? Nach links und rechts zu schwenken, Ist auch nichts Gefährlichs auszudenken.

Ich bin nicht für Ruhm, ich bin nicht für Ehr′, Es ist mit alledem nicht weit her, Und es wär′ mir ein Leichtes, mich drin zu finden, Wär′ nicht die Frau - die kann′s nicht verwinden.«

So hieß es um Weihnacht. Am Ordensfest Sprang um der Wind von Ost nach West, Der Glauben an Gottes Gnad′ und Güte Schlug wieder Wurzel in seinem Gemüte. Wie′s blinkt, wie′s schillert! Er strahlt, er bebt. »Ich habe nicht umsonst gelebt.«

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Illustration zu Der Subalterne

Interpretation

Das Gedicht "Der Subalterne" von Theodor Fontane handelt von einem Mann, der sich zunächst zynisch und desillusioniert gegenüber seiner Rolle und den politischen Ereignissen seiner Zeit zeigt. Er bagatellisiert seine Beiträge und die Bedeutung von Sedan, einem entscheidenden Schlacht des Deutsch-Französischen Krieges, und drückt Gleichgültigkeit gegenüber Ruhm und Ehre aus. Seine Zurückhaltung, sich vollständig zu engagieren, wird durch seine Frau begründet, die die Konsequenzen nicht verkraften könnte. Um Weihnachten herum äußert er diese skeptischen Gedanken. Doch am Tag der Ordensverleihung, einem Fest, das militärische und patriotische Leistungen ehrt, erfährt er eine Wandlung. Der Wind dreht sich von Ost nach West, was eine Veränderung seiner inneren Überzeugungen symbolisiert. Sein Glaube an Gottes Gnade und Güte kehrt zurück, und er empfindet Freude und Stolz über die Anerkennung seiner Taten. Er fühlt, dass sein Leben einen Sinn hatte und er nicht umsonst gelebt hat. Das Gedicht zeichnet die Entwicklung eines Menschen nach, der von Zweifeln und Zynismus zu einem erneuerten Glauben und Stolz gelangt. Es reflektiert die Ambivalenz zwischen persönlicher Zurückhaltung und dem Wunsch nach Anerkennung sowie die Auswirkungen gesellschaftlicher und familiärer Einflüsse auf die eigene Identität und Überzeugungen.

Schlüsselwörter

wär achselzucken lachen machen bißchen deutschland zusammenzuschweißen lag

Wortwolke

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Stilmittel

Anapher
»Immer Achselzucken (es ist zum Lachen), Und doch sind wir es, die es machen.«
Hyperbel
Ich habe nicht umsonst gelebt.
Kontrast
Ich bin nicht für Ruhm, ich bin nicht für Ehr′, Es ist mit alledem nicht weit her
Metapher
Das Bißchen Deutschland zusammenzuschweißen
Personifikation
Der Glauben an Gottes Gnad′ und Güte Schlug wieder Wurzel in seinem Gemüte.
Rhetorische Frage
Und Sedan? Nach links und rechts zu schwenken, Ist auch nichts Gefährlichs auszudenken.