Der Sturm

Christian Felix Weiße

1758

Der lichte Himmel schwärzet sich: Ein jäher Sturm braust in den Zweigen, Und überall herrscht fürchterlich Ein ehrerbiethig Schweigen. Der kleinen Sänger tonreich Chor Vergißt sein Lied, und lauscht in Sträuchen, Und nur die Schwalbe schießt hervor, Und schwebet auf den Teichen.

Komm Chloe, eilends folge mir: Doch sieh, wie sich die Rosen bücken, Vom Sturm bedroht flehn sie zu dir; Du sollst sie liebreich pflücken. Sie zittern vor den nahen Tod. O sieh, wie schön sie sich entfärben! Viel lieber wünscht ihr schamhaft Roth An deiner Brust zu sterben.

Wir sind entflohn, was fürchten wir In dieser dicht verwachsnen Laube: Welch Glück! es wartet unser hier Der Saft der Moslertraube. Verwegner Nord! tob immerhin, Und nimm, willst du ja hier noch wehen; Nimm meiner Chloe Palatin! Nur laß die Gläser stehen.

Das Gedicht als Bild, zum Downloaden und Teilen

Illustration zu Der Sturm

Interpretation

Das Gedicht "Der Sturm" von Christian Felix Weiße beschreibt die Ankunft eines Sturms und dessen Auswirkungen auf die Natur. Der Himmel verdunkelt sich, ein plötzlicher Sturm braust durch die Zweige, und überall herrscht ein fürchterliches, ehrerbietiges Schweigen. Die Vögel verstummen und lauschen in den Sträuchern, während nur die Schwalbe hervorstößt und über den Teichen schwebt. Der lyrische Ich ruft Chloe zu sich und bittet sie, den Rosen zu folgen, die sich unter der Bedrohung des Sturms zu ihr neigen. Die Rosen flehen um ihre Hilfe und wünschen sich, von ihr liebreich gepflückt zu werden, da sie vor dem nahen Tod zittern. Der lyrische Ich beschreibt, wie schön die Rosen sich entfärben und wie sehr sie sich wünschen, an Chloes Brust in einem schamhaften Rot zu sterben. Das Paar ist in eine dicht verwachsene Laube geflüchtet und genießt dort das Glück, das ihnen die Trauben der Mosellilie bringen. Der lyrische Ich fordert den Nordwind auf, weiterhin toben zu können, solange er nicht die Gläser umwirft oder Chloes Palatin nimmt. Das Gedicht endet mit einem Hauch von Leichtigkeit und Genuss, trotz der bedrohlichen Naturgewalten draußen.

Schlüsselwörter

sturm chloe sieh nimm lichte himmel schwärzet jäher

Wortwolke

Wortwolke zu Der Sturm

Stilmittel

Metapher
Der Saft der Moslertraube
Personifikation
Die Rosen bücken