Der Strom
1876Als nun der Strom meiner Nächte breit durch die Ebene glitt, brachte er krauses Geflechte, Tangwerk und Dorngestrüpp mit, brachte von bergiger Quelle wilder Blüten Gerank, und es klang seine Welle dunkler als droben sie klang.
Lauscher standen am Lande, horchten dem Klange voll Zorn als einem sicheren Pfande für den vergifteten Born, schrien böse und lauernd all meinen Frohmut entzwei, und meine Seele glitt trauernd ihrem Erkennen vorbei. –
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Interpretation
Das Gedicht "Der Strom" von Margarete Beutler handelt von der Reise eines Flusses durch die Nacht und den damit verbundenen Veränderungen. Der Strom bringt verschiedene Elemente aus seiner Quelle mit sich, wie krauses Geflecht, Tangwerk und Dorngestrüpp, sowie wilde Blüten. Die Welle des Flusses klingt nun dunkler als zuvor, was auf eine Veränderung der Stimmung hinweist. Am Ufer stehen Lauscher, die dem Klang des Flusses voller Zorn lauschen. Sie betrachten den Fluss als sichere Garantie für eine vergiftete Quelle und zerstören so den Frohmut des Sprechers. Die Seele des Sprechers gleitet trauernd an ihrem eigenen Erkennen vorbei, was auf eine Art inneren Verlust oder eine Entfremdung von sich selbst hindeutet. Das Gedicht vermittelt eine melancholische Stimmung und thematisiert die Veränderungen, die der Fluss mit sich bringt. Die Lauscher am Ufer symbolisieren möglicherweise äußere Einflüsse oder Kritiker, die den Frohmut des Sprechers zerstören. Die trauernde Seele deutet auf eine innere Zerrissenheit oder einen Verlust der eigenen Identität hin.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- böse und lauernd
- Bildsprache
- von bergiger Quelle wilder Blüten Gerank
- Kontrast
- dunkler als droben sie klang
- Metapher
- meinem Erkennen
- Personifikation
- brachte er krauses Geflechte, Tangwerk und Dorngestrüpp mit
- Symbolik
- vergifteten Born