Der Streit der Liebe

Christian Friedrich Hunold

1721

Die Welt liegt stets im Streit: doch dencket nicht ihr Helden/ Die ihr der Erden-Kreiß mit Stahl und Eisen zwingt/ Daß ich von eurem Kampf/ von Mord und Blut will melden/ Und wie ihr Land und Leut in eure Feßel bringt. Ich meine diesen Krieg/ den wir mit Lieben führen/ Mit Liebe/ die diß Rund in ihre Bande schlägt/ Durch welche wir Gewalt an Leib und Seele spühren/ Und die die Helden auch zu ihren Füßen legt. Die Liebe heißt das Band des Himmels und der Erden/ Wenn sie vollkommen ist: Wenn wir an Gott verknüpft/ Und mit der Welt in Gott zugleich verbunden werden/ Denn ist die Freude rein/ die in dem Hertzen hüpft. Wenn aber uns die Welt zu ihren Gütern reißet/ Zur Schönheit die vergeht/ zu eitler Ehr und Lust/ Und uns mit Leib und Seel darein verlieben heißet: So brennt verbotne Gluht in der verkehrten Brust. Mit dieser Liebe hat ein Irdischer zustreiten. Löscht er ihr Feuer aus und zündet neues an/ Das Oehl vom Himmel hat/ so schmeckt er Süßigkeiten/ Und fühlt was oben her ein Freuden-Feuer kan.

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Illustration zu Der Streit der Liebe

Interpretation

Das Gedicht "Der Streit der Liebe" von Christian Friedrich Hunold beschäftigt sich mit der Idee, dass die Welt ständig im Streit liegt, aber nicht im physischen Sinne von Krieg und Gewalt. Der Autor betont, dass er nicht von den Kämpfen der Helden und deren Auswirkungen auf Land und Leute sprechen möchte. Stattdessen geht es um einen anderen Krieg, den Krieg der Liebe. Der zweite Teil des Gedichts beschäftigt sich mit der Liebe als einem Band, das den Himmel und die Erde verbindet. Wenn die Liebe vollkommen ist und man mit Gott und der Welt verbunden ist, dann ist die Freude rein und das Herz hüpft vor Glück. Doch wenn die Welt uns zu ihren Gütern reißt und uns zu eitler Ehre und Lust verleitet, dann brennt eine verbotene Glut in der verkehrten Brust. Im letzten Teil des Gedichts geht es darum, dass ein irdischer Mensch gegen diese Art von Liebe kämpfen muss. Wenn er das Feuer dieser Liebe löscht und ein neues entzündet, das vom Himmel kommt, dann wird er Süßigkeiten schmecken und die Freuden des himmlischen Feuers spüren. Das Gedicht endet mit der Idee, dass nur durch die Überwindung der irdischen Liebe wahre Freude und Glück gefunden werden können.

Schlüsselwörter

welt liebe helden erden leib gott feuer liegt

Wortwolke

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Stilmittel

Bildsprache
Das Oehl vom Himmel hat/ so schmeckt er Süßigkeiten
Gegensatz
Wenn sie vollkommen ist: Wenn wir an Gott verknüpft
Kontrast
Wenn aber uns die Welt zu ihren Gütern reißet
Metapher
Löscht er ihr Feuer aus und zündet neues an
Personifikation
Mit Liebe/ die diß Rund in ihre Bande schlägt