Der Stieglitz
1920Die Sonne blitzt, ein Distelfeld Belebt die stille Mittagswelt; Im starrgezackten Blättermeer Glühn purpurlockig kreuz und quer Die Blütenköpfe.
Und durch den eisengrauen Busch, Ein bunter Vogel, hupp, hup, husch, Hüpft durch das wilde Staudenheer, Als ob es ohne Stacheln wär: Ein junger Stieglitz.
Wie wirr, wie wunderlich geschweift! Ein leichtes Lüftchen kommt und greift Von Blütenspeer zu Blütenspeer Und wirft die Schatten hin und her; Weg ist der Stieglitz.
Nun will ich stille weitergehn Und mir die sonnige Welt besehn, Und durch das Leben kreuz und quer, Als ob es ohne Stacheln wär; Das liebe Leben.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Stieglitz" von Richard Dehmel beschreibt die Beobachtung eines jungen Stieglitzes, der durch ein Distelfeld hüpft. Die Sonne blitzt und belebt die stille Mittagswelt. Im starrgezackten Blättermeer glühen purpurlockige Blütenköpfe. Der bunte Vogel huscht durch den eisengrauen Busch, als ob es ohne Stacheln wäre. Ein leichtes Lüftchen kommt und wirft die Schatten hin und her, sodass der Stieglitz verschwindet. Der Sprecher beschließt, weiterzugehen und sich die sonnige Welt anzusehen. Er möchte durch das Leben kreuz und quer gehen, als ob es ohne Stacheln wäre, und das liebe Leben genießen. Das Gedicht vermittelt eine lebhafte und farbenfrohe Naturbeschreibung. Es zeigt die Schönheit und Vergänglichkeit des Augenblicks, als der Stieglitz plötzlich verschwindet. Der Sprecher lässt sich davon nicht entmutigen, sondern beschließt, das Leben in vollen Zügen zu genießen, ohne sich von Hindernissen oder Schwierigkeiten aufhalten zu lassen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- purpurlockig kreuz und quer
- Bildsprache
- Ein Distelfeld belebt die stille Mittagswelt
- Hyperbel
- Wie wirr, wie wunderlich geschweift
- Metapher
- Von Blütenspeer zu Blütenspeer
- Onomatopoesie
- hupp, hup, husch
- Personifikation
- Ein leichtes Lüftchen kommt und greift
- Symbolik
- Das liebe Leben
- Vergleich
- Als ob es ohne Stacheln wär