Der Sterbende
1899Die Grenzen fallen ab von mir, ich ward Ganz unermeßlich Hingegebener. Und so mir tief und brüderlich vertraut Atmen in mir die fernen Dinge Und decken mich mit aller Nähe zu. Oh starre Hülle Abgeschiedenheit, Die endlich wie ein schwerer Traum entglitt! Daß ich nun weiß: wenn dann der Abend fällt, Bricht er in mich so tief wie in die Wälder ein.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Sterbende" von Maria Luise Weissmann handelt von einem Menschen, der sich am Ende seines Lebens befindet und dabei eine tiefe spirituelle Erfahrung macht. Die Grenzen zwischen ihm und der Welt um ihn herum fallen ab, und er fühlt sich eins mit allem, was existiert. Er atmet mit den "fernen Dingen" und wird von der Nähe aller Dinge umhüllt. Diese Erfahrung ist für ihn eine Befreiung von der "starren Hülle Abgeschiedenheit", die er sein Leben lang getragen hat. Die zweite Strophe des Gedichts beschreibt die tiefe Verbundenheit des Sterbenden mit der Natur und der Welt um ihn herum. Er erkennt, dass der Abend, der in den Wäldern hereinbricht, auch in ihm selbst einbricht. Diese Erkenntnis gibt ihm ein Gefühl von Frieden und Einheit mit allem, was existiert. Er ist nicht mehr allein, sondern Teil eines größeren Ganzen. Das Gedicht "Der Sterbende" ist ein eindringliches und bewegendes Werk, das die tiefe spirituelle Erfahrung eines Menschen am Ende seines Lebens beschreibt. Es zeigt, wie der Tod nicht nur ein Ende, sondern auch ein Anfang sein kann - ein Anfang für eine neue Art des Seins und des Bewusstseins. Das Gedicht lädt den Leser ein, über die eigene Sterblichkeit nachzudenken und die Schönheit und Einheit des Lebens zu erkennen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Ganz unermeßlich Hingegebener
- Metapher
- Oh starre Hülle Abgeschiedenheit, Die endlich wie ein schwerer Traum entglitt
- Personifikation
- Und so mir tief und brüderlich vertraut Atmen in mir die fernen Dinge