Der sterbende Fechter

Friedrich de la Motte Fouqué

1777

Längst – bewältiget einst von wildanstürmender Mehrzahl – Lebt’ als Sklave der Fürst im weltherrschenden Rom. Er im germanischen Wald bei Schlacht und Jagden voran stets, Folgte dem mürrischen Wink trüblicher Meister jetzt nach, Fels auf Fels herwälzend mit riesiger Kraft in den Baugrund, Bis sich in üppiger Pracht zierlich die Villa erhob. Stumm erduldend, verschmähend die Kunde weichlicher Mundart,

Wog er im mächtigen Geist düster sein herbes Geschick. Da mit eins – erhört ein Gott den sehnendsten Wunsch ihm? – Wo hochherrlicher Bau aufstrahlt zum wölbenden Himmel, Ringsum drängend gereiht, nicht Zuschauer – ein Volk!

Holde Frauen voran im Liebreiz blühender Schönheit, Priester und Greise geschart. Ritterlich grüßt er den Kreis, Und ein jubelnder Dank schallt ringsher laut ihm entgegen. Und ein gewappneter Mann tritt gegenüber ihm auf. Was nun auch gelte der Kampf, ob Unschuld rettend zu rächen, Ob mit blinkendem Schwert Frag’ an die Götter hinauf,

Willig bereit ist der Fürst. Was möchten Prieser und Frauen Anschau’n, als nur, was groß gilt und den Göttern genehm? Freudevoll hört er den Ruf der anmutigen Hörner des Kampfes, Kämpft, und ringet, und siegt, Jubel begrüßt ihn auf’s neu.

Neuer Feind auch erscheint, um wieder besiegt zu erliegen. Jubel ertönet; und stets Kampf dann und Jubel und Kampf Wechselt, bis nun in der Brust dem Fürsten die rühmliche Kraft stockt. Aber die rühmliche Scham schließt ihm zur Klage den Mund. Und so ringet er fort, bis endlich den Matten ein Roß trifft:

Blutig sinket er hin auf den bewahreten Schild, Höret das Jubelgeschrei, und hört es freudig. „Sie bringen“ – Denkt er im mutigen Sinn – „wie ein Wallhallgeleit Schön mit Ehrengejauchz!“ Ernst sieht sein Blut er verrinnen. –

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Interpretation

Das Gedicht "Der sterbende Fechter" von Friedrich de la Motte Fouqué erzählt die Geschichte eines einst stolzen germanischen Fürsten, der als Sklave im antiken Rom leben muss. Er erträgt sein Schicksal schweigend und voller Bitterkeit, bis er unerwartet die Chance erhält, in einem Gladiatorenkampf seine Ehre zurückzugewinnen. Der Fürst kämpft tapfer und siegreich gegen seine Gegner und wird dabei von den Zuschauern, darunter auch Frauen und Priester, bejubelt. Er empfindet Freude und Dankbarkeit für diese Möglichkeit, sich in einem ruhmreichen Kampf zu bewähren und den Göttern zu gefallen. Doch nach mehreren Kämpfen beginnt seine Kraft zu schwinden und er wird von einem Pferd getroffen. Schwer verletzt sinkt der Fürst auf seinen Schild und hört das Jubelgeschrei der Menge. In seinen letzten Momenten denkt er noch voller Mut, dass man ihn wie einen Helden aus der germanischen Mythologie ehrenvoll zu Grabe tragen wird. Mit diesem Gedanken lässt er sein Leben aushauchend in der Arena zurück.

Schlüsselwörter

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Stilmittel

Alliteration
Freudevoll hört er den Ruf der anmutigen Hörner des Kampfes
Bildsprache
Wo hochherrlicher Bau aufstrahlt zum wölbenden Himmel
Enjambement
Längst – bewältiget einst von wildanstürmender Mehrzahl – Lebt’ als Sklave der Fürst im weltherrschenden Rom
Hyperbel
Fels auf Fels herwälzend mit riesiger Kraft
Kontrast
Und ein gewappneter Mann tritt gegenüber ihm auf
Metapher
Lebt’ als Sklave der Fürst im weltherrschenden Rom
Personifikation
Ein Gott den sehnendsten Wunsch ihm?
Symbolik
Blutig sinket er hin auf den bewahreten Schild
Wiederholung
Kampf dann und Jubel und Kampf