Der Stachelreim

Gotthold Ephraim Lessing

1746

Erast, der gern so neu als eigentümlich spricht, Nennt einen Stachelreim sein leidig Sinngedicht. Die Reime hör′ ich wohl; den Stachel fühl′ ich nicht.

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Interpretation

Das Gedicht "Der Stachelreim" von Gotthold Ephraim Lessing thematisiert die Kritik an einem zeitgenössischen Dichter namens Erast, der mit seinen Versen Aufmerksamkeit erregen möchte. Erast bezeichnet sein "Sinngedicht" als "Stachelreim", in der Hoffnung, dass seine Worte stechen und nachwirken. Doch Lessing entlarvt diesen Versuch als vergeblich: Während die Reime hörbar sind, fehlt es dem Text an der beabsichtigten schmerzhaften Wirkung, dem "Stachel". Damit kritisiert Lessing die Oberflächlichkeit und den Mangel an Tiefe in Erasts Dichtung. Lessings Ironie liegt darin, dass er Erasts selbstbewusste Behauptung, etwas Besonderes geschaffen zu haben, entgegenhält, dass die Wirkung ausbleibt. Der "Stachel" symbolisiert dabei die emotionale oder intellektuelle Wirkung, die ein Gedicht auf den Leser haben sollte. Indem Lessing diese Wirkung explizit verneint, verdeutlicht er, dass Erasts Werk lediglich durch seine äußere Form, die Reime, besticht, aber nicht durch inhaltliche Schärfe oder Originalität. Das Gedicht ist somit eine Abrechnung mit der zeitgenössischen Tendenz, sprachliche Effekte über echte poetische Kraft zu stellen. Lessing fordert Authentizität und Tiefe in der Dichtkunst und macht deutlich, dass ein Werk nur dann nachhaltig wirkt, wenn es über die bloße Form hinausgeht und den Leser wirklich berührt oder zum Nachdenken anregt.

Schlüsselwörter

erast gern neu eigentümlich spricht nennt stachelreim leidig

Wortwolke

Wortwolke zu Der Stachelreim

Stilmittel

Alliteration
Stachelreim sein leidig Sinngedicht
Ironie
Die Reime hör′ ich wohl; den Stachel fühl′ ich nicht
Metapher
Erast nennt einen Stachelreim sein leidig Sinngedicht