Der Staat
1864Der Staat - er falle! - ob er Monarchie, Ob Republik, ob sozial sich nenne, Denn nie kann es geschehn, - nie, sag’ ich, nie - Daß je im Staat der Freiheit Fackel brenne.
Der Staat ist Zwang. Er kennt nur Herr’n und Knechte. Wir aber wollen keins von beiden sein. Wir wollen uns’re heiligen Menschenrechte, Um sie zu deuteln, keinem Zweiten leihn.
Erst wenn sein Joch von unserm Nacken nahm Die Hand der Freiheit, athmen Alle, Alle! So lange aber dieser Tag nicht kam Ertönt mein Ruf: “Der Mörder Staat - er falle!”
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Interpretation
Das Gedicht "Der Staat" von John Henry Mackay ist ein leidenschaftlicher Aufruf zur Freiheit und ein entschiedener Widerstand gegen jegliche Form staatlicher Unterdrückung. Der Autor fordert den Sturz des Staates, unabhängig davon, ob er sich als Monarchie, Republik oder Sozialstaat bezeichnet. Für Mackay ist der Staat untrennbar mit Zwang verbunden und kennt nur Herrschende und Beherrschte, was er vehement ablehnt. In den folgenden Strophen betont Mackay die Heiligkeit der Menschenrechte und den Wunsch nach Selbstbestimmung. Er will diese Rechte nicht an eine zweite Instanz abtreten, um sie auslegen zu lassen. Der Staat wird als Joch auf dem Nacken der Menschen dargestellt, das erst abgeworfen werden muss, damit alle frei atmen können. Der Ruf nach dem Sturz des Staates wird als Kampfruf gegen einen "Mörder Staat" wiederholt, bis der Tag der Freiheit kommt. Das Gedicht ist ein radikaler Ausdruck anarchistischer Ideologie, der die Abschaffung des Staates als notwendige Voraussetzung für die Entfaltung der individuellen Freiheit und die Wahrung der Menschenrechte sieht. Es ist ein flammendes Plädoyer für die Selbstbestimmung des Einzelnen und eine klare Absage an jede Form von Herrschaft und Unterdrückung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- ob er Monarchie, Ob Republik, ob sozial sich nenne
- Antithese
- Er kennt nur Herr'n und Knechte
- Ausruf
- Der Mörder Staat - er falle!
- Bildsprache
- Erst wenn sein Joch von unserm Nacken nahm
- Metapher
- daß je im Staat der Freiheit Fackel brenne
- Wiederholung
- nie, sag' ich, nie