Der Spinnerin Nachtlied
1802Es sang vor langen Jahren Wohl auch die Nachtigall, Das war wohl süßer Schall, Da wir zusammen waren.
Ich sing’ und kann nicht weinen, Und spinne so allein Den Faden klar und rein So lang der Mond wird scheinen.
Als wir zusammen waren Da sang die Nachtigall Nun mahnet mich ihr Schall Daß du von mir gefahren.
So oft der Mond mag scheinen, Denk’ ich wohl dein allein, Mein Herz ist klar und rein, Gott wolle uns vereinen.
Seit du von mir gefahren, Singt stets die Nachtigall, Ich denk’ bei ihrem Schall, Wie wir zusammen waren.
Gott wolle uns vereinen Hier spinn’ ich so allein, Der Mond scheint klar und rein, Ich sing’ und möchte weinen.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Spinnerin Nachtlied" von Clemens Brentano erzählt von einer einsamen Spinnerin, die an vergangene Zeiten voller Liebe und Gemeinschaft denkt. Die Nachtigall, die einst gemeinsam mit ihrem Geliebten gesungen hat, erinnert sie nun an die Trennung und die Sehnsucht nach Wiedersehen. Die Mondnacht dient als zeitloser Rahmen für ihre Erinnerungen und Wünsche. Die Spinnerin vergleicht ihre gegenwärtige Einsamkeit mit der vergangenen Gemeinschaft. Während sie früher gemeinsam mit ihrem Geliebten die süßen Klänge der Nachtigall genoss, muss sie nun allein spinnen und singen, ohne weinen zu können. Der Faden, den sie spinnt, symbolisiert die Reinheit ihrer Liebe und Hoffnung, die so lange andauert, wie der Mond scheint. Die Nachtigall fungiert als ständige Erinnerung an die verlorene Liebe. Ihr Gesang mahnt die Spinnerin an die Trennung und lässt sie an die gemeinsamen Zeiten denken. Die Wiederholung des Gedankens, wie sie zusammen waren, unterstreicht die tiefe Sehnsucht und die Unfähigkeit, die Vergangenheit loszulassen. Das Gedicht endet mit einem Gebet um die Wiedervereinigung der Liebenden. Die Spinnerin bleibt allein zurück, während der Mond klar und rein scheint. Ihre Sehnsucht ist so stark, dass sie weinen möchte, aber nicht kann. Die zyklische Struktur des Gedichts, die mit dem Wunsch nach Vereinigung beginnt und endet, betont die unendliche Natur ihrer Sehnsucht und Hoffnung.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Der Faden klar und rein
- Anapher
- Ich sing' und kann nicht weinen, Ich denk' bei ihrem Schall
- Hyperbel
- Es sang vor langen Jahren
- Kontrast
- Ich sing' und kann nicht weinen
- Metapher
- Den Faden klar und rein
- Parallelismus
- Als wir zusammen waren Da sang die Nachtigall
- Personifikation
- Das war wohl süßer Schall
- Wiederholung
- Da wir zusammen waren