Der Spielmann

Hans Christian Andersen

1810

Im Städtchen gibt es des Jubels viel, Da halten sie Hochzeit mit Tanz und mit Spiel. Dem Fröhlichen blinket der Wein so rot, Die Braut nur gleicht dem getünchten Tod.

Ja, tot für den, den nicht sie vergisst, Der doch beim Fest nicht Bräutigam ist: Da steht er inmitten des Gäste im Krug Und streichet die Geige lustig genug.

Er streichet die Geige, sein Haar ergraut, Es schwingen die Saiten gellend und laut, Er drückt sie ans Herz und achtet es nicht, Ob auch sie in tausend Stückchen zerbricht.

Es ist gar grausig, wenn einer so stirbt, Wenn jung sein Herz um Freude noch wirbt. Ich mag und will nicht länger es sehn! Das möchte den Kopf mir schwindelnd verdrehn!

Wer heißt euch mit Fingern zeigen auf mich? O Gott, bewahr uns gnädiglich, Dass keinen der Wahnsinn übermannt. Bin selber ein armer Musikant.

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Illustration zu Der Spielmann

Interpretation

Das Gedicht "Der Spielmann" von Hans Christian Andersen handelt von einem Musiker, der auf einer Hochzeitsfeier spielt. Die Braut ist jedoch tot für den Musiker, da sie einen anderen liebt, der nicht der Bräutigam ist. Der Musiker spielt trotzdem fröhlich weiter, obwohl er innerlich leidet. Sein Haar ergraut, und er drückt die Geige so fest an sein Herz, dass sie in tausend Stücke zerbricht. Das Gedicht beschreibt den grausigen Anblick eines jungen Menschen, der um Freude wirbt, aber innerlich stirbt. Der Erzähler möchte nicht länger zusehen und fürchtet, dass der Anblick ihm schwindelig werden lässt. Der Musiker selbst ist ein armer Musikant, der unter dem Wahnsinn leidet. Das Gedicht thematisiert die Tragik unerfüllter Liebe und den seelischen Schmerz, den der Musiker durch seine unglückliche Situation erleidet.

Schlüsselwörter

streichet geige herz städtchen gibt jubels viel halten

Wortwolke

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Stilmittel

Alliteration
Lustig genug
Ausruf
Ja, tot für den, den nicht sie vergisst
Bildsprache
Es schwingen die Saiten gellend und laut
Direkte Rede
Wer heißt euch mit Fingern zeigen auf mich?
Gebet
O Gott, bewahr uns gnädiglich
Hyperbel
Ob auch sie in tausend Stückchen zerbricht
Ironie
Er streichet die Geige, sein Haar ergraut
Kontrast
Dem Fröhlichen blinket der Wein so rot, Die Braut nur gleicht dem getünchten Tod
Metapher
Die Braut gleicht dem getünchten Tod
Personifikation
Sein Haar ergraut
Selbstbezeichnung
Bin selber ein armer Musikant
Symbolik
Die Geige als Ausdruck der Trauer