Der Spielman

Hans Christian Andersen

1805

Op. 40

Im Städtchen gibt es des Jubels viel, Da halten sie Hochzeit Mit Tanz und mit Spiel. Dem Fröhlichen blinket der Wein so rot, Die Braut nur Gleicht dem getünchten Tod.

Ja, tot für den, den nicht sie vergißt, Der doch beim Fest nicht Bräutigam ist : Da steht er inmitten des Gäste im Krug Und streichet die Geige lustig genug.

Er streichet die Geige, sein Haar ergraut, Es schwingen die Saiten gellend und laut, Er drückt sie ans Herz und achtet es nicht, Ob auch sie in tausend Stückchen zerbricht.

Es ist gar grausig, wenn einer so stirbt, Wenn jung sein Herz um Freude noch wirbt. Ich mag und will nicht länger es sehn ! Das möchte den Kopf mir schwindelnd verdrehn !

Wer heißt euch mit Fingern zeigen auf mich ? O Gott, bewahr uns gnädiglich, Daß keinen der Wahnsinn übermannt. Bin selber ein armer Musikant.

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Illustration zu Der Spielman

Interpretation

Das Gedicht "Der Spielmann" von Hans Christian Andersen erzählt von einem Geiger, der auf einer Hochzeit spielt, während er innerlich zerbricht. Die Braut gleicht dem "getünchten Tod", was auf ihre innere Leere oder Unzufriedenheit hinweist. Der Geiger, der nicht der Bräutigam ist, den sie vergessen hat, spielt lustig, während sein Herz schmerzt. Sein Haar ergraut, und er drückt die Geige ans Herz, ohne darauf zu achten, ob sie zerbricht. Dies symbolisiert seine emotionale Zerrissenheit und den Verlust seiner Leidenschaft. Der Geiger stirbt einen grausigen Tod, obwohl sein Herz noch nach Freude verlangt. Der Sprecher des Gedichts kann es nicht länger ertragen, dies zu sehen, da es ihm schwindelig werden lässt. Die letzten Zeilen zeigen, dass der Geiger selbst ein armer Musikant ist, der von den anderen mit Fingern auf ihn zeigen verurteilt wird. Er bittet Gott, sie vor Wahnsinn zu bewahren, was auf die emotionale Belastung und den Druck hinweist, den er erlebt. Das Gedicht thematisiert die Einsamkeit, die unerfüllte Liebe und den emotionalen Schmerz, der oft hinter einer fröhlichen Fassade verborgen bleibt.

Schlüsselwörter

streichet geige herz städtchen gibt jubels viel halten

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Stilmittel

Anapher
Ich mag und will nicht länger es sehn ! Das möchte den Kopf mir schwindelnd verdrehn !
Apostrophe
O Gott, bewahr uns gnädiglich
Ausruf
Wer heißt euch mit Fingern zeigen auf mich ?
Bildsprache
Da steht er inmitten des Gäste im Krug
Hyperbel
Ob auch sie in tausend Stückchen zerbricht
Ironie
Bin selber ein armer Musikant
Kontrast
Dem Fröhlichen blinket der Wein so rot, Die Braut nur Gleicht dem getünchten Tod
Metapher
Die Braut gleicht dem getünchten Tod
Personifikation
Es schwingen die Saiten gellend und laut