Der spielende Knabe
1796Spiele, Kind, in der Mutter Schoß! Auf der heiligen Insel Findet der trübe Gram, findet die Sorge dich nicht, Liebend halten die Arme der Mutter dich über dem Abgrund, Und in das flutende Grab lächelst du schuldlos hinab. Spiele, liebliche Unschuld! Noch ist Arkadien um dich, Und die freie Natur folgt nur dem fröhlichen Trieb; Noch erschafft sich die üppige Kraft erdichtete Schranken, Und dem willigen Mut fehlt noch die Pflicht und der Zweck. Spiele! Bald wird die Arbeit kommen, die hagre, die ernste, Und der gebietenden Pflicht mangeln die Lust und der Mut.
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Interpretation
Das Gedicht "Der spielende Knabe" von Friedrich von Schiller beschreibt die Unschuld und Freiheit der Kindheit. Schiller ruft das Kind dazu auf, im Schoß der Mutter zu spielen, geschützt vor Sorgen und Kummer. Die Natur umgibt das Kind noch mit einer idyllischen, arkadischen Unschuld, und die Kraft der Jugend schafft sich ihre eigenen Grenzen. Das Kind folgt noch seinen spontanen Trieben, ohne von Pflicht und Zweck belastet zu sein. Doch Schiller deutet bereits an, dass diese sorglose Zeit des Spielens nicht ewig währen wird. Er warnt das Kind, dass bald die ernste Arbeit und die gebietende Pflicht kommen werden. Die Lust und der Mut, die das Kind jetzt noch leiten, werden dann fehlen. Schiller thematisiert hier den Übergang vom sorglosen Kindsein zum verantwortungsvollen Erwachsenenleben, das von Pflichtbewusstsein und Ernsthaftigkeit geprägt ist. Das Gedicht vermittelt eine nostalgische und zugleich warnende Stimmung. Schiller preist die Unschuld und Freiheit der Kindheit, während er gleichzeitig auf die unvermeidlichen Veränderungen hinweist, die das Erwachsenwerden mit sich bringt. Das Kind wird aufgefordert, die sorglose Zeit des Spielens zu genießen, solange sie noch währt, denn bald wird die Ernsthaftigkeit des Lebens Einzug halten.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Bildsprache
- flutende Grab
- Hyperbel
- üppige Kraft erdichtete Schranken
- Kontrast
- liebend halten die Arme der Mutter dich über dem Abgrund
- Metapher
- Arkadien um dich
- Personifikation
- freie Natur folgt nur dem fröhlichen Trieb
- Vorausdeutung
- Spiele! Bald wird die Arbeit kommen, die hagre, die ernste