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Der Spas

Von

Die alte buhlende Finette
Fragt einst, ich war allein mit ihr;
Ob ich ihr nichts zu sagen hätte?
»Ich? Nichts – – als – – Sie gefallen mir.«
Sie seufzt und sinkt aufs Ruhebette;
Im Ernst, seufzt sie, sie glauben das?
Ich Thor! daß ich so albern redte!
Versteht die Närrin keinen Spas?

Allein aus dichtbewachsnen Hecken
Guckt lauschend Doris, ruft mich an,
Und eilt, sich wieder zu verstecken,
Doch so, daß man sie finden kann.
Ich greife nach dem losen Kinde,
Und zieh sie kämpfend in das Gras;
Sie schreyt, ob ich nicht Spas verstünde?
Doch da versteh ich keinen Spas.

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Gedicht: Der Spas von Christian Felix Weiße

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Der Spas“ von Christian Felix Weiße ist eine humorvolle Betrachtung der Unterschiede in der Wahrnehmung und Interpretation von „Spas“ oder Scherz. Das Gedicht enthüllt die Diskrepanz zwischen dem, was als „Spas“ gemeint ist, und der Reaktion des lyrischen Ichs auf verschiedene weibliche Charaktere.

Im ersten Teil des Gedichts wird die alte „buhlende Finette“ dargestellt, die sich nach Aufmerksamkeit sehnt und den Erzähler nach seinen Gefühlen fragt. Die Antwort des Erzählers, ein scheinbar einfaches „Sie gefallen mir.“, wird von der Finette als ernst gemeinte Aussage interpretiert, was sie zu einem Seufzer und einer Frage nach der Echtheit der Aussage veranlasst. Der Erzähler, verärgert über die Reaktion, bezeichnet sich selbst als „Thor“ und wirft der Finette vor, keinen „Spas“ zu verstehen. Diese Szene etabliert die Idee, dass die Finette die spielerische Natur des Scherzes nicht erkennt oder akzeptieren will.

Der zweite Teil des Gedichts stellt Doris gegenüber, ein junges Mädchen, das eine ganz andere Herangehensweise an den „Spas“ hat. Sie lockt den Erzähler durch spielerisches Versteckspiel an, das er, im Gegensatz zur Situation mit der Finette, wörtlich nimmt. Er packt Doris, sie schreit, ob er denn „Spas“ nicht verstünde, womit sich die Rollen vertauschen. Hier wird die Doppeldeutigkeit des Wortes „Spas“ besonders deutlich: Während die Finette erwartet, dass der Erzähler seine „Spas“ durch ein Kompliment ausdrückt, erwartet Doris, dass der Erzähler das Spiel versteht und sich zurückhält.

Weiße spielt in diesem Gedicht geschickt mit Erwartungen und Missverständnissen. Er zeigt auf, wie „Spas“ je nach Person und Kontext unterschiedlich interpretiert werden kann. Der Erzähler, der sich im ersten Teil über die fehlende Fähigkeit der Finette, „Spas“ zu verstehen, beklagt, scheitert im zweiten Teil selbst daran, Doris‘ Spiel als solches zu erkennen. Das Gedicht ist somit eine ironische Reflexion über die Natur von Humor, Anziehung und die Schwierigkeit, die Absichten anderer richtig einzuschätzen. Die Schlusszeile, „Doch da versteh ich keinen Spas.“, ist ein humorvolles Geständnis der eigenen Unfähigkeit, die Feinheiten des Spiels zu erfassen.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.