Der Sommer- und Winter-Geheimrat
1898Um die Sommerszeit sind sie wie andre Menschen Aus Schwiebus, Reppen oder Bentschen.
Zumal in Bädern, in Ostseefrischen Sitzt man mit ihnen an selben Tischen, Und sind auch verschieden der Menschheit Lose, Gleichmacherisch wirkt die Badehose, Der alte Adam mit seinen Gebrechen Läßt manches schweigen und manches sprechen. Am Spill wurde gestern ein Seehund geschossen, Zu drängen sich alle Strandgenossen; Man will ein Kinderhospiz errichten, »Sie könnten einen Prolog uns dichten.« Allgemeines heitres sich Anbequemen, Ein Unterschied ist nicht wahrzunehmen.
So der Sommer; er hat sein Bestes getan, Aber nun bricht der Winter an.
Beim Botschafter S. ist Gala-Fete, Dein Spill-Freund ist mit an der Tete, Noch schützt dich die bergende Fensternische, Jetzt aber gilt es, jetzt geht es zu Tische, Du sitzt vis-à-vis ihm, es trifft dich sein Gruß, Davor dein Herz ersteinen muß. Es wundert sein Chef sich, sein Kollege, Die Badebekanntschaft ist plötzlich im Wege, Von dem, mit dem du den Seehund umstanden, Von dem »sommerlichen« ist nichts mehr vorhanden, Statt seiner der »winterliche« … Du frierst. Suche, daß du dich rasch verlierst.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Sommer- und Winter-Geheimrat" von Theodor Fontane beschreibt den Kontrast zwischen dem Sommer und dem Winter sowie die Veränderung im Verhalten und der sozialen Stellung der Menschen in diesen Jahreszeiten. Im Sommer sind alle Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem sozialen Status, gleichgestellt und treffen sich in Badeorten wie Schwiebus, Reppen oder Bentschen. Die Badehose wirkt als Gleichmacher und ermöglicht es den Menschen, sich frei zu bewegen und zu unterhalten. Gemeinsame Aktivitäten wie das Jagen eines Seehunds oder die Planung eines Kinderhospizes bringen die Menschen zusammen und schaffen eine heitere Atmosphäre. Doch mit dem Einbruch des Winters ändert sich alles. Bei einer Gala-Fete beim Botschafter S. trifft der Erzähler auf seinen Sommerfreund, der nun in seiner winterlichen Rolle als Geheimrat auftritt. Die vertraute Badebekanntschaft ist plötzlich im Weg und der Erzähler fühlt sich unwohl und erstarrt angesichts des Grußes seines Gegenübers. Die anderen Anwesenden, wie der Chef und die Kollegen des Geheimrats, wundern sich über die plötzliche Veränderung. Der Sommerfreund ist verschwunden und wurde durch den "winterlichen" Geheimrat ersetzt. Der Erzähler fröstelt und versucht, sich so schnell wie möglich zu verlieren. Das Gedicht verdeutlicht die Diskrepanz zwischen der Gleichheit im Sommer und der Hierarchie im Winter. Während im Sommer alle Menschen auf einer Ebene stehen und sich frei bewegen können, herrschen im Winter strenge soziale Regeln und Unterschiede. Die Veränderung der Jahreszeiten symbolisiert auch die Veränderung der sozialen Rollen und Verhaltensweisen der Menschen. Das Gedicht regt zum Nachdenken über die Vergänglichkeit von Freundschaften und die Auswirkungen von sozialen Hierarchien auf zwischenmenschliche Beziehungen an.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- sommerlichen ... winterlichen
- Bildsprache
- Beim Botschafter S. ist Gala-Fete
- Ironie
- Von dem »sommerlichen« ist nichts mehr vorhanden, Statt seiner der »winterliche« ... Du frierst.
- Kontrast
- So der Sommer; er hat sein Bestes getan, Aber nun bricht der Winter an.
- Metapher
- Der alte Adam mit seinen Gebrechen
- Personifikation
- Der Sommer; er hat sein Bestes getan
- Symbolik
- Die Badehose als Gleichmacher