Der Sommer

Gotthold Ephraim Lessing

unbekannt

Brüder! Lobt die Sommerszeit! Ja, dich, Sommer, will ich loben! Wer nur deine Munterkeit, Deine bunte Pracht erhoben, Dem ist wahrlich, dem ist nur, Nur dein halbes Lob gelungen, Hätt er auch, wie Brocks, gesungen, Brocks, der Liebling der Natur.

Hör ein größer Lob von mir, Sommer! ohne stolz zu werden. Brennst du mich, so dank ichs dir, Daß ich bei des Strahls Beschwerden, Bei der durstgen Mattigkeit, Lechzend nach dem Weine frage, Und gekühlt den Brüdern sage: Brüder! lobt die durstge Zeit!

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Illustration zu Der Sommer

Interpretation

Das Gedicht "Der Sommer" von Gotthold Ephraim Lessing ist eine Ode an die Sommerzeit. Der Sprecher ruft seine "Brüder" dazu auf, die Sommerszeit zu loben und betont dabei die Lebendigkeit und Vielfalt, die der Sommer mit sich bringt. Er erwähnt Brockes, einen Dichter, der die Natur verehrt, und deutet an, dass selbst dieser nur die halbe Wahrheit über den Sommer erfasst hat. In der zweiten Strophe geht der Sprecher noch weiter und preist den Sommer, ohne stolz zu werden. Er dankt dem Sommer sogar dafür, dass er ihn verbrennt, da dies ihn dazu bringt, nach Wein zu verlangen und die "durstige Zeit" zu loben. Der Wein wird hier als erfrischendes Gegenmittel zur Sommerhitze dargestellt. Das Gedicht ist eine humorvolle und ironische Hommage an den Sommer. Lessing spielt mit den Gegensätzen von Hitze und Durst, von Lob und Dankbarkeit. Er zeigt, dass der Sommer nicht nur schön und lebendig ist, sondern auch anstrengend und durstig machen kann. Der Wein wird als willkommene Erfrischung und als Anlass zum Lobpreis der "durstigen Zeit" dargestellt.

Schlüsselwörter

brüder lobt sommer lob brocks sommerszeit will loben

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Stilmittel

Anapher
Brüder! Lobt die Sommerszeit! / Ja, dich, Sommer, will ich loben!
Hyperbel
Brocks, der Liebling der Natur
Kontrast
Bei des Strahls Beschwerden, / Bei der durstgen Mattigkeit
Metapher
Sommer! ohne stolz zu werden
Personifikation
Sommer! ohne stolz zu werden