Der Soldat
1807Es geht bei gedämpfter Trommel Klang; Wie weit noch die Stätte! der Weg wie lang! O wär er zur Ruh und alles vorbei! Ich glaub’, es bricht mir das Herz entzwei!
Ich hab’ in der Welt nur ihn geliebt, Nur ihn, dem jetzt man den Tod doch gibt! Bei klingendem Spiele wird paradiert; Dazu bin auch ich kommandiert.
Nun schaut er auf zum letzten Mal In Gottes Sonne freudigen Strahl; Nun binden sie ihm die Augen zu - Dir schenke Gott die ewige Ruh!
Es haben die Neun wohl angelegt; Acht Kugeln haben vorbeigefegt. Sie zittern alle vor Jammer und Schmerz - Ich aber, ich traf ihn mitten in das Herz.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Soldat" von Adelbert von Chamisso erzählt die tragische Geschichte eines Soldaten, der gezwungen ist, einen geliebten Menschen zu exekutieren. Der Sprecher, der selbst Teil der Exekutionskompanie ist, reflektiert über die emotionale Qual und den inneren Konflikt, den diese Situation hervorruft. Das Gedicht beginnt mit dem rhythmischen Klang der Trommel, der den Marsch zur Hinrichtungsstätte begleitet. Der Sprecher drückt seine Verzweiflung und sein Verlangen nach einem Ende dieses Martyriums aus, da er glaubt, dass sein Herz vor Schmerz zerbricht. Die Erwähnung, dass er in der Welt nur einen Menschen geliebt hat, der nun zum Tode verurteilt wurde, unterstreicht die Intensität seiner emotionalen Bindung und die Tragik der Situation. Im zweiten Teil des Gedichts wird die Hinrichtung selbst beschrieben. Der Verurteilte blickt zum letzten Mal in die Sonne, bevor ihm die Augen verbunden werden. Die Exekutionskompanie, bestehend aus neun Soldaten, bereitet sich vor. Acht Kugeln verfehlen ihr Ziel, aber der Sprecher, getrieben von seiner Liebe und seinem Schmerz, trifft den Geliebten mitten ins Herz. Dieser Akt kann als Ausdruck seiner tiefen Verbundenheit und als letzte Geste der Barmherzigkeit interpretiert werden, um dem Geliebten ein schnelles Ende zu bereiten. Das Gedicht endet mit einem Gebet um ewigen Frieden für den Verstorbenen. Die emotionale Intensität und die moralische Zerrissenheit des Sprechers werden durch die abschließenden Zeilen deutlich, die sowohl Trauer als auch Erleichterung über den Tod des Geliebten ausdrücken. Chamisso gelingt es, die Komplexität menschlicher Emotionen und die unerträgliche Last der Pflicht in einer einzigen, bewegenden Erzählung zu vermitteln.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Acht Kugeln haben vorbeigefegt
- Anapher
- Ich hab' in der Welt nur ihn geliebt
- Enjambement
- Wie weit noch die Stätte! der Weg wie lang!
- Hyperbel
- Ich glaub', es bricht mir das Herz entzwei
- Kontrast
- Bei klingendem Spiele wird paradiert; Dazu bin auch ich kommandiert
- Metapher
- Es geht bei gedämpfter Trommel Klang
- Personifikation
- In Gottes Sonne freudigen Strahl
- Rhetorische Frage
- O wär er zur Ruh und alles vorbei!