Der Soldat

Joseph von Eichendorff

1837

1

Ist auch schmuck nicht mein Rößlein, So ists doch recht klug, Trägt im Finstern zu ′nem Schlößlein Mich rasch noch genug.

Ist das Schloß auch nicht prächtig: Zum Garten aus der Tür Tritt ein Mädchen doch allnächtig Dort freundlich herfür.

Und ist auch die Kleine Nicht die Schönst auf der Welt, So gibts doch just keine, Die mir besser gefällt.

Und spricht sie vom Freien: So schwing ich mich auf mein Roß - Ich bleibe im Freien, Und sie auf dem Schloß.

2

Wagen mußt du und flüchtig erbeuten, Hinter uns schon durch die Nacht hör ichs schreiten, Schwing auf mein Roß dich nur schnell Und küss noch im Flug mich, wildschönes Kind, Geschwind, Denn der Tod ist ein rascher Gesell.

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Illustration zu Der Soldat

Interpretation

Das Gedicht "Der Soldat" von Joseph von Eichendorff beschreibt das Leben eines einfachen Soldaten, der trotz bescheidener Verhältnisse zufrieden ist. Sein Pferd mag zwar nicht prächtig sein, aber es ist klug und bringt ihn zuverlässig zu einem kleinen Schloss, wo er heimlich ein Mädchen trifft. Dieses Mädchen ist vielleicht nicht die Schönste, aber es ist diejenige, die ihm am besten gefällt. Der Soldat genießt diese heimlichen Treffen, auch wenn er weiß, dass er jederzeit aufbrechen muss, wenn das Mädchen von Freiersleuten spricht. Die zweite Strophe führt eine düstere Note ein, die den Soldaten an die Gefahren seines Berufs erinnert. Er muss ständig bereit sein, zu fliehen und seine Beute zu machen, da der Tod unaufhaltsam hinter ihm her ist. Die Aufforderung, sich schnell auf sein Pferd zu schwingen und das Mädchen noch im Flug zu küssen, unterstreicht die Vergänglichkeit und die Gefahr, die sein Leben bestimmen. Der Tod wird als "rasche Gesell" personifiziert und verdeutlicht die ständige Bedrohung, der der Soldat ausgesetzt ist. Das Gedicht vermittelt eine bittersüße Stimmung, die die flüchtigen Momente des Glücks inmitten der Unsicherheit und des Todes hervorhebt. Der Soldat lebt im Hier und Jetzt, genießt die kurzen Augenblicke der Zärtlichkeit und weiß gleichzeitig um die Vergänglichkeit seines Lebens. Eichendorff gelingt es, die Spannung zwischen der Sehnsucht nach Liebe und der Unausweichlichkeit des Todes eindringlich darzustellen.

Schlüsselwörter

schloß freien schwing roß schmuck rößlein ists recht

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Stilmittel

Hyperbel
Die Aussage 'Nicht die Schönst auf der Welt' übertreibt die Schönheit des Mädchens, um ihre Einzigartigkeit für den Soldaten zu betonen.
Kontrast
Der Kontrast zwischen dem 'nicht schmuck' und 'doch recht klug' des Pferdes sowie dem 'nicht prächtig' und 'doch freundlich' des Schlosses und des Mädchens betont die Zufriedenheit des Soldaten mit dem, was er hat.
Metapher
Der Tod wird als 'rasche Gesell' personifiziert, was seine Unausweichlichkeit und Schnelligkeit unterstreicht.
Personifikation
Das Pferd wird als 'klug' beschrieben, was ihm menschliche Eigenschaften verleiht.
Reimschema
Das Gedicht verwendet ein regelmäßiges Reimschema, das die Strophen strukturiert und einen rhythmischen Fluss erzeugt.