Der Selbstmord
1715O Jüngling, lern aus der Geschichte, die dich vielleicht zu Tränen zwingt, was für bejammernswerte Früchte die Liebe zu den Schönen bringt!
Ein Beispiel wohlerzogner Jugend, des alten Vaters Trost und Stab, ein Jüngling, der durch frühe Tugend zur größten Hoffnung Anlaß gab;
den zwang die Macht der schönen Triebe, Climenen zärtlich nach zu gehn; er seufzt, er bat um Gegenliebe; allein vergebens war sein Flehn.
Fußfällig klagt er ihr sein Leiden. Umsonst! Climenen heißt ihn fliehn. Ja, schreit er, ja ich will dich meiden, ich will mich ewig dir entziehn.
Er reißt den Degen aus der Scheide, und - - o was kann verwegner sein! Kurz, er besieht die Spitz und Schneide, und steckt ihn langsam wieder ein.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Selbstmord" von Christian Fürchtegott Gellert handelt von einem jungen Mann, der durch die unerfüllte Liebe zu einer Frau namens Climenen in tiefe Verzweiflung gerät. Die Erzählung beginnt mit einer Warnung an die Jugend, aus der Geschichte zu lernen, was die Liebe zu Schönen anrichten kann. Der junge Mann, ein Beispiel für gute Erziehung und Tugend, wird von der Macht der schönen Triebe getrieben, Climenen nachzugehen, doch seine Bitten um Gegenliebe bleiben vergeblich. Der junge Mann fleht Climenen zu Füßen an, doch sie weist ihn zurück und fordert ihn auf, sie zu meiden. In seiner Verzweiflung schwört er, sich ihr für immer zu entziehen. Die Erzählung erreicht ihren Höhepunkt, als der junge Mann einen Degen zieht, um Selbstmord zu begehen, was als äußerst verwegene Tat dargestellt wird. Doch in letzter Sekunde besinnt er sich und steckt den Degen wieder ein, was auf eine Wende in seinem Schicksal hindeutet. Das Gedicht endet mit einer offenen Frage, ob der junge Mann tatsächlich Selbstmord begehen wird oder ob er einen anderen Weg findet, mit seiner unerfüllten Liebe umzugehen. Gellert nutzt diese Geschichte, um die Gefahren der unerfüllten Liebe und die Bedeutung von Selbstbeherrschung und Vernunft zu verdeutlichen. Das Gedicht dient als moralische Lehre, die vor den verheerenden Folgen der Liebe warnt und zur Besinnung aufruft.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Anapher
- er seufzt, er bat um Gegenliebe
- Antithese
- Fußfällig klagt er ihr sein Leiden. Umsonst!
- Metapher
- die Macht der schönen Triebe
- Rhetorische Frage
- o was kann verwegner sein!
- Triadische Steigerung
- er seufzt, er bat um Gegenliebe; allein vergebens war sein Flehn