Der Seiltänzer
unknownEr geht. Die schräge Stange trägt ihn linde. Der Himmel schlägt um ihn ein Feuerrad. Ein Lächeln fällt von einem mageren Kinde, Und an dem Lächeln wird die Mutter satt.
Ein jeder fühlt sich über sich erhaben Und tänzelt glücklich auf gespanntem Seil. Die Menschen wimmeln braun wie Küchenschaben, Und sind dem Blick der Höhe wehrlos feil.
Dort unten hockt in schmutzigen Galoschen Das Niedere und Gemeine, und es hebt Die Stirn zur Höhe für zwei povre Groschen, An denen feucht der Schweiß des Werktags klebt.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Seiltänzer" von Klabund beschreibt die faszinierende und zugleich gefährliche Kunst des Seiltanzens. Der Seiltänzer bewegt sich behutsam über das Seil, während der Himmel wie ein "Feuerrad" um ihn herum wirbelt. Sein mageres Kind lächelt, und dieses Lächeln genügt, um die Mutter zu sättigen. Die Zuschauer fühlen sich überlegen und tanzen selbst auf dem Seil, während die Menschen wie "Küchenschaben" wimmeln und der Höhe hilflos ausgeliefert sind. In der zweiten Strophe wird die soziale Ungleichheit deutlich. Die "schmutzigen Galoschen" symbolisieren die niedrige Stellung der einfachen Leute, die "Niedrige und Gemeine". Sie heben ihre Stirn zur Höhe, um den Seiltänzer zu bewundern, und zahlen dafür nur einen geringen Betrag, "zwei povre Groschen", die vom Schweiß der Arbeit noch feucht sind. Klabund kritisiert die Ausbeutung der Arbeiterklasse, die für einen winzigen Lohn die Kunst des Seiltänzers bewundern muss. Das Gedicht "Der Seiltänzer" von Klabund ist eine eindringliche Darstellung der sozialen Unterschiede und der Faszination, die die Kunst des Seiltanzens auf die Menschen ausübt. Der Seiltänzer selbst bleibt eine mysteriöse Figur, die über den Abgründen schwebt, während die Zuschauer in ihrer eigenen Welt gefangen sind. Klabund nutzt eindringliche Bilder und Metaphern, um die Spannung zwischen den sozialen Schichten und die Anziehungskraft der Kunst zu verdeutlichen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- povre Groschen
- Bildsprache
- Der Himmel schlägt um ihn ein Feuerrad
- Hyperbel
- Ein jeder fühlt sich über sich erhaben
- Metapher
- Der Himmel schlägt um ihn ein Feuerrad
- Personifikation
- Die schräge Stange trägt ihn linde
- Symbolik
- An dem Lächeln wird die Mutter satt
- Vergleich
- Die Menschen wimmeln braun wie Küchenschaben