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Der schwörende Liebhaber

Von

Ich schwör′ es dir, o Laura, dich zu hassen;
Gerechten Haß schwör′ ich dir zu.
Ich schwör′ es allen Schönen, sie zu hassen;
Weil alle treulos sind, wie du.
Ich schwör′ es dir, vor Amors Ohren,
Daß ich – – ach! daß ich falsch geschworen.

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Gedicht: Der schwörende Liebhaber von Gotthold Ephraim Lessing

Kurze Interpretation des Gedichts

Das Gedicht „Der schwörende Liebhaber“ von Gotthold Ephraim Lessing ist ein kleines Meisterwerk der Ironie und Selbstironie. Es fängt die Zerrissenheit eines Liebenden ein, der vorgibt, die geliebte Laura und alle Schönen zu hassen, doch letztendlich an seiner eigenen Unfähigkeit, diesen Hass aufrechtzuerhalten, scheitert. Die Kürze des Gedichts verstärkt seine Wirkung und lässt den Leser unmittelbar in die Gefühlswelt des Sprechers eintauchen.

Die Struktur des Gedichts ist bemerkenswert. Der Sprecher beginnt mit einem Schwur, Laura zu hassen, und generalisiert diese Aussage auf alle Schönen, begründet durch ihre angebliche Treulosigkeit. Diese Zeilen atmen zunächst eine Verzweiflung und Bitterkeit, die auf eine tiefgreifende Verletzung hindeuten. Der Sprecher versucht, sich von den Qualen der Liebe zu distanzieren, indem er den Hass als ein Mittel der Selbstbewahrung einsetzt.

Die Pointe des Gedichts liegt im letzten Vers: „Ich schwör′ es dir, vor Amors Ohren, / Daß ich – – ach! daß ich falsch geschworen.“ Hier bricht der Sprecher seinen eigenen Schwur, gesteht seine Unfähigkeit zu hassen und bekennt sich erneut zur Liebe. Das Ausrufezeichen und die Pause („– –“) unterstreichen die Emotion und die plötzliche Erkenntnis des Sprechers. Durch diese Selbstentlarvung entlarvt Lessing die Unmöglichkeit, sich von der Liebe zu befreien, und zeigt die Macht der Gefühle über den Verstand.

Das Gedicht nutzt die Schwüre als rhetorische Mittel, um die Zerrissenheit und die emotionale Abhängigkeit des Sprechers zu verdeutlichen. Die Wiederholung des „Ich schwör‘ es dir“ verstärkt die Eindringlichkeit der Aussage. Der kurze, prägnante Stil und die einfache Sprache machen das Gedicht leicht zugänglich, während die tiefe Ironie und die subtile psychologische Beobachtung es zu einem bleibenden Beispiel für die Kunst der Lyrik machen.

Weitere Informationen

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Lizenz und Verwendung

Dieses Gedicht fällt unter die „public domain“ oder Gemeinfreiheit. Gemeinfreiheit bedeutet, dass ein Werk nicht (mehr) durch Urheberrechte geschützt ist und daher von allen ohne Erlaubnis des Urhebers frei genutzt, vervielfältigt und verbreitet werden darf. Sie tritt meist nach Ablauf der gesetzlichen Schutzfrist ein, z. B. 70 Jahre nach dem Tod des Autors. Weitere Informationen dazu finden sich hier.