Der Schwarzwald
1846An K.F. Eichhorn.
Wie fröhlich hier im reichen Thal Die lieben Bäume stehn. Gereift an Gottes mildem Strahl, Geschützt von jenen Höh′n.
Ihr Kirschen und ihr Kästen sollt Noch manches Jahr gedeihn, Auch du Gutedel, fließend Gold, Auch du, Markgrafenwein.
Doch höher, immer höher zieht, Zum Walde zieht mich′s hin, Dort nach dem dunkeln Gipfel sieht Mein liebetrunkner Sinn.
O Dreisam, süßer Aufenthalt, O Freiburg, schöner Ort, Mich ziehet nach dem höchsten Wald Die höchste Sehnsucht fort.
Nicht schrecket mich im Höllenthor, Der grause Felsensteg, Weit über Land und Fels empor Zum Gipfel geht mein Weg.
Dein Wasser schöpf′ ich in der Hand, O Donau, frohe Fahrt! Verkünde nur im Morgenland Der Deutschen Sinn und Art.
Du mit dem weißen Wälderhut Und mit dem schwarzen Band, O Mägdlein sittig, schön und gut, Grüß mir das deutsche Land.
Ich muß hinauf zum schwarzen Wald, So liebend und allein, Dort soll fortan mein Aufenthalt Und meine Kirche sein.
Euch Bäume hat kein Mensch gestreut, Euch sä′te Gottes Hand, Ihr alten hohen Tannen seid Mir meines Gottes Pfand.
Durch eure schlanken Wipfel geht Sein wunderbarer Gang, In euren grünen Zweigen weht Ein schauervoller Klang.
Das ist ein ferner Liebeston, Er klingt wol tausend Jahr, Von Geistern, deren Zeit entflohn Und deren Burg hier war.
Wie schaurig hier und wie allein Im höchsten schwarzen Wald, Nicht fern kann hier die Wohnung sein Der seligsten Gestalt.
Der Freiheit, die mein Herz gewann, Der süßen Heldenbraut, Der ich, ein liebentbrannter Mann, Für ewig mich vertraut.
O Freiheit, Freiheit komm′ heraus, So kräftig und so fromm, Aus deinem grünen dunkeln Haus Du schöne Freiheit komm′.
Dort unten laß dich wieder schaun, Im freien deutschen Land, Bewahre du die treuen Gaun, Vor welschem Sklavenstand.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Schwarzwald" von Max von Schenkendorf ist eine Liebeserklärung an die Natur und ein Plädoyer für Freiheit und deutsche Identität. Der Sprecher beschreibt seine Sehnsucht nach dem Schwarzwald, einem dunklen, geheimnisvollen Ort, der ihm als Rückzugsort und Zufluchtsort dient. Der Sprecher kontrastiert die fruchtbaren Täler und Weinberge mit der Anziehungskraft des höchsten Waldes. Er fühlt sich von der "höchsten Sehnsucht" getrieben, den Gipfel zu erklimmen und die Einsamkeit des Waldes zu erleben. Die Natur wird als heilig und göttlich dargestellt, wobei die Bäume als "Gottes Pfand" und die Tannen als Zeugen der Gegenwart Gottes fungieren. Der Sprecher ruft die "Freiheit" dazu auf, aus ihrem "grünen dunkeln Haus" zu kommen und sich im "freien deutschen Land" wieder zu zeigen. Er bittet die Freiheit, die treuen Deutschen vor dem "welschen Sklavenstand" zu bewahren. Das Gedicht endet mit einem Aufruf zur nationalen Einheit und zur Verteidigung der Freiheit gegen äußere Bedrohungen.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Hyperbel
- Mein liebetrunkner Sinn
- Metapher
- Vor welschem Sklavenstand
- Personifikation
- Ein schauervoller Klang
- Symbolik
- Der höchste Wald