Der schwarze Mönch
1832(Aus dem Englischen des Lord Byron.)
Vor dem schwarzen Mönch auf dem Marmorstein In Gnaden bewahret seyd: Er murmelt Gebet′ in die Nacht hinein, Und die Mess′, wie in voriger Zeit. Als der Lord vom Berge, Amandeville, Die Normanskirche gewann, Vertrieb er die Mönche; doch Einer will Nicht weichen vom Platz fortan. –
Für Heinrich der Lord in den Waffen stand, Das Gut soll erbeutet seyn! Das Schwert zur Hand und der Fackel Brand, Wagt′s Einer und spräche »nein!« Ein Mönch nur blieb unvertrieben und frei, Er schien nicht vom Staube gemacht; Die Kirche vorbei, durch den Hof der Abtei Wallt′ er, doch immer bei Nacht! –
Ob er gut sich erweis′t, ob ein böser Geist, Ich nimmer verkünden mag; Doch Amandeville′s Haus er rastlos umkreis′t, Beständig bei Nacht und Tag. Wenn ein Lord sich vermählt, wird für wahr erzählt, Umschwebt er das Brautbett zumal; Liegt einer entseelt, auch beim Tod er nicht fehlt, Doch nicht zu des Sterbenden Qual.
Er klagt, wenn ein Erbe geboren wird, Und trifft etwas Wichtiges ein Bei dem alten Geschlecht, er die Hallen durchirrt, In des Mondes erbleichendem Schein. Die Gestalt könnt Ihr schaun, doch sein Antlitz nie, Tief hüllet die Kappe es ein, Und schaut Ihr die Augen, so scheinen sie Von geschiedenen Seelen zu seyn. –
Vor dem schwarzen Mönche bewahret seyd, Nie läßt er von seiner Macht; Denn ist der Erbe der Kirche zur Zeit, Wie die Reihe auch folgen mag. Amandevill′ ist der Herr bei Tag, Doch der Mönch ist der Herr bei Nacht; Selbst bei Becherschall hat nie ein Vasall Um sein Recht ihn zu fragen gedacht.
Sprecht ihn nicht an, wenn die Rund′ er begann, Er spricht zu Euch kein Wort, Er schwebet entlang, schwarz angethan, Wie der Thau auf dem Grase fort. Gott sey ihm gnädig, wohin er geht, Mag gut oder bös′ er seyn; Was immer fleht, laß Gebet Für seine Seele uns weihn! –
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Interpretation
Das Gedicht "Der schwarze Mönch" von Joseph Christian von Zedlitz handelt von einem geheimnisvollen Mönch, der trotz der Vertreibung der Mönche aus der Normanskirche durch Lord Amandeville auf dem Kirchhof verbleibt. Der Mönch wird als eine Art Schutzgeist oder Fluch für das Geschlecht der Amandevilles dargestellt, der sie Tag und Nacht umgibt und bei wichtigen Ereignissen wie Hochzeiten oder Todesfällen erscheint. Seine Gestalt ist sichtbar, doch sein Gesicht bleibt verborgen, was seine mysteriöse Natur unterstreicht. Der Mönch scheint eine Art Schicksalsmacht zu verkörpern, die über das Geschlecht der Amandevilles wacht. Er klagt bei der Geburt eines Erben und durchstreift die Hallen des Hauses bei bedeutenden Ereignissen. Die Bewohner des Hauses scheinen den Mönch zu fürchten und zu respektieren, da sie ihn nicht ansprechen und ihn als eine Art Mitherrscher anerkennen, der auch nachts über das Anwesen wacht. Der Mönch wird als eine ewige Präsenz dargestellt, die das Geschlecht der Amandevilles begleitet und beeinflusst. Das Gedicht endet mit einem Gebet für die Seele des Mönchs, unabhängig davon, ob er gut oder böse ist. Dies deutet darauf hin, dass der Mönch trotz seiner mysteriösen und möglicherweise bedrohlichen Natur Mitgefühl verdient. Das Gedicht vermittelt eine Atmosphäre des Unheimlichen und des Übernatürlichen, die durch die ständige Präsenz des schwarzen Mönchs und die Ungewissheit über seine wahre Natur entsteht.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- Für Heinrich der Lord in den Waffen stand
- Anapher
- Vor dem schwarzen Mönch bewahret seyd
- Bildsprache
- In des Mondes erbleichendem Schein
- Hyperbel
- Beständig bei Nacht und Tag
- Kontrast
- Amandeville ist der Herr bei Tag, doch der Mönch ist der Herr bei Nacht
- Metapher
- Der schwarze Mönch wird als eine Art Geist oder unheimliche Präsenz dargestellt, die das Anwesen heimsucht.
- Personifikation
- Der Mönch 'murmelt Gebet' und 'klagt', was menschliche Eigenschaften sind.
- Symbolik
- Der schwarze Mönch symbolisiert die Vergangenheit und das Unerklärliche.