Der Schwan
1875Diese Mühsal, durch noch Ungetanes schwer und wie gebunden hinzugehn, gleicht dem ungeschaffnen Gang des Schwanes.
Und das Sterben, dieses Nichtmehrfassen jenes Grunds, auf dem wir täglich stehn, seinem ängstlichen Sich-Niederlassen:
in die Wasser, die ihn sanft empfangen und die sich, wie glücklich und vergangen, unter ihm zurückziehen, Flut um Flut;
während er unendlich still und sicher immer mündiger und königlicher und gelassener zu ziehn geruht.
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Interpretation
Das Gedicht "Der Schwan" von Rainer Maria Rilke beschreibt die Mühsal des Menschen, durch noch unerledigte Aufgaben schwer und wie gebunden zu gehen. Dies wird verglichen mit dem ungeschaffnen Gang des Schwanes, der noch nicht in seiner vollen Schönheit und Anmut erscheint. Der zweite Teil des Gedichts befasst sich mit dem Sterben, dem Nichtmehrfassen jenes Grundes, auf dem wir täglich stehen. Dies wird mit dem ängstlichen Sich-Niederlassen des Schwanes in die Gewässer verglichen, die ihn sanft empfangen. Die Fluten ziehen sich zurück, während der Schwan unendlich still und sicher, immer mündiger und königlicher, und gelassener zu ziehen geruht. Das Gedicht vermittelt eine tiefgründige Betrachtung über das Leben und den Tod. Es zeigt auf, dass selbst in der Mühsal des Lebens und der Angst vor dem Sterben eine gewisse Schönheit und Anmut vorhanden sein kann, ähnlich wie beim Schwan, der seine volle Pracht erst im Wasser entfaltet.
Schlüsselwörter
Wortwolke

Stilmittel
- Alliteration
- mündiger und königlicher
- Bildsprache
- in die Wasser, die ihn sanft empfangen und die sich, wie glücklich und vergangen, unter ihm zurückziehen, Flut um Flut
- Hyperbel
- unendlich still und sicher
- Metapher
- Diese Mühsal, durch noch Ungetanes schwer und wie gebunden hinzugehn, gleicht dem ungeschaffnen Gang des Schwanes
- Personifikation
- die ihn sanft empfangen
- Vergleich
- gleicht dem ungeschaffnen Gang des Schwanes